Zwei Meistertitel in der Turbine - Ära
 

Als mit dem FC Rot-Weiß vor 30 Jahren ein neuer Erfurter Fußballklub aus der Taufe gehoben wurde, konnten die seinerzeit Verantwortlichen Männer auf eine stolze Tradition zurückblicken. Besser gesagt, sie mussten es, denn die Wurzeln gingen schließlich auf den in jenen Tagen nicht geradesonderlich beliebten bürgerlichen Sport zurück.

Im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts war der Sportklub Erfurt gegründet worden, der seine Heimstatt im jetzigen Ega-Gelände auf der Cyriaksburg fand. Der SC blieb zunächst einige Jahre allein und auch später noch lange Zeit der führende Verein der Blumenstadt. Erst in den 30er Jahren erwuchs ihm im Erfurter Norden mit der Spielvereinigung ein ernsthafter Konkurrent. Aus den zahlreichen, in der Ära nach dem ersten Weltkrieg gegründeten Vereine verdient vor allem der auf dem Johannesplatz beheimatete VfB (Verein für Ballspiele) Erwähnung, der für seine ausgezeichnete Nachwuchsarbeit weit über Thüringens Grenzen hinaus bekannt war.

Eine entscheidende Zäsur gab es nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als die über Jahrzehnte gewachsene Struktur des Sportes bewusst zerschlagen und der Spielbetrieb im Fußball auf die Kreisebene reduziert wurde. Dabei kam es unter dem Namen Erfurt-West zu einer Fusion zwischen Sportklub und VfB, die später in Fortuna, KWU und Turbine umgenannt wurde und den eigentlichen Vorläufer des FC Rot-Weiß Erfurt bildete. In der damaligen Ostzone galt Erfurt als eine der spielkulturell besten Mannschaften, deren herausragende Akteure Helmut Nordhaus, Jochen Müller, „Gickl“ Dittmar und Winfried Herz waren. Zweimal gelang der Sprung in ein Finale, doch sowohl das um die Meisterschaft (1949 gegen Halle), wie auch das im Pokal (1950 gegen Thale) gingen verloren. Auch in der 1949 ins Leben gerufenen DDR-Oberliga zählte Erfurt stets zu den Spitzen-Teams und erreichte 1951 ein drittes Endspiel, das auf neutralem Platz in Chemnitz mit Chemie Leipzig (2:0) erneut den Gegner als Sieger sah. Es folgten die besten Jahre des Erfurter Fußballs, in denen unter Trainer Hans Carl zweimal hintereinander (1954 und 55) der Meisterpokal in das Stadion am Steigerwald geholt wurde.

Helmut Nordhaus und Jochen Müller waren noch dabei, Wilhelm Hoffmeyer, Gerhard Franke, „Jule“ Hammer, Wolfgang Nitsche und Georg Rosbigalle dazugekommen, Siegfried Vollrath zum Schützenkönig der Oberliga avanciert. Der zweite Titelgewinn bildete zugleich das Ende einer großen Ära. Der ständiger Querelen mit den Berliner DTSB-Gewaltigen überdrüssige Trainer Hans Carl ging nach Kassel, die für die Erfolge wichtigsten Spieler hängten nacheinander die Fußballschuhe an den berühmten Nagel, Turbine wurde zur zwischen Oberliga und Zweitklassigkeit pendelden „Fahrstuhl“-Elf.