35.Wehen-RWE

SV Wehen - FC Rot-Weiß Erfurt 0:0

Im Gegensatz zu den designierten Aufsteigern Unterhaching und Regensburg, die auf dem Halberg jeweils mit 0:1 unterlagen, kam der FC Rot-Weiß beim 0:0 in Wehen zu einem Punktgewinn. Und das, obwohl gleich neun Spieler nicht zur Verfügung standen.
Alois Schwartz brauchte sich keine großen Gedanken zu machen. In Wehen stellte sich die Rot-Weiß-Mannschaft allein auf. Da insgesamt neun Akteure verletzungsbedingt ausgefallen waren, nahmen auf der Ersatzbank neben Keeper Rothe mit Sesselmann, Greil und Gerke lediglich drei junge Spieler aus der zweiten Mannschaft Platz. Umso höher ist das 0:0 bei den heimstarken Wehenern einzuschätzen.
So sah es auch Schwartz, der nach dem Abpfiff von einer "Elferkette" sprach. Von vorn herein sei seine 15-köpfige Rumpfmannschaft auf ein Zu-Null aus gewesen und hätte dies dank einer "disziplinierten und zweikampfstarken Leistung" auch erreicht. Während man über die erste Halbzeit getrost den Mantel des Schweigens decken konnte, verlief der zweite Abschnitt ein wenig abwechslungsreicher. Da Rot-Weiß wieder nur mit Hebestreit als einziger Spitze agierte, brachte Wehens Trainer Vasic mit Mokhtari für Ziehl einen echten Linksaußen. Daraus resultierten in der Folgezeit einige gute Möglichkeiten für die Hessen. So musste Twardzik einen Mokhtari-Kopfball (49.) und einen Mehic-Schuss (54.) parieren.
Anschließend gestalteten die Erfurter das Geschehen zwar ausgeglichen. Torgefährliche Situationen kamen aber nur wenige zustande. Pech hatten sie in der 65. Minute, als ein Freistoß von Okic durch Hebestreit an die Latte verlängert wurde. Koltermann wäre da chancenlos gewesen. Fünf Minuten vor Ultimo traf der drangvolle Bach nach einem Alleingang noch das Außennetz. So einigten sich beide Teams dann auf das 0:0.
Am Rande des Spielfeldes war allerdings weniger das Ergebnis das beherrschende Thema. Vielmehr boten die Turbulenzen in der Leitungsetage des Klubs genügend Gesprächsstoff. Die finanziellen Probleme hatten sich sogar bis ins beschauliche Wehen rumgesprochen. Ein Präsidiumsmitglied der Gastgeber erklärte dazu: "Wenn sich ein großer Verein in der Regionalliga - und das ist Rot-Weiß Erfurt - so in der Öffentlichkeit präsentiert, schadet das nicht nur dem Klub selbst, sondern leider auch dem gesamten Fußball."
Rolf Heller, früherer Präsident von Eintracht Frankfurt und jetziges Aufsichtsratsmitglied des FC Rot-Weiß, forderte unterdessen: "Die Fakten müssen Montag auf den Tisch. Der Aufsichtsrat hat das Recht auf ein schonungsloses Offenlegen aller Einzelheiten. Bisher ist da vom Prä- sidium nicht viel gekommen."
Auf die Frage, ob er als neuer Klubchef kurzfristig bereit stehen würde, sagte Heller: "Nein, wir haben noch einen Präsidenten. Und Michael Leitenstorfer ist, wie ich es sehe, handlungsfähig." Ob er es weiterhin bleibt, hängt von der heutigen Sitzung des Kontrollgremiums ab.

18.05.2003 Von Jürgen KLEIN


René Müller bat in Plauen um Beurlaubung

Mit der 1:2-Niederlage in Pößneck endete für René Müller das Kapitel Plauen. Nach seinem 100. Punktspiel als Trainer der Vogtländer bat der künftige Rot-Weiß-Coach das VFC-Präsidium um Beurlaubung.
"Seit Freitag steht fest, dass wir unsere Ziele nicht mehr erreichen können. Deshalb sehe ich meine Arbeit in Plauen als abgeschlossen an", sagte Müller gestern. Er will sich nun "voll und ganz" auf seine neue Aufgabe in Erfurt konzentrieren. Auf der Bank wird der 44-Jährige beim Heimspiel am kommenden Freitag gegen Offenbach (19.30 Uhr) allerdings noch nicht sitzen.
In Wehen sah René Müller "eine Mannschaft, die sich trotz aller Unruhe im Umfeld gut verkauft und Moral bewiesen hat". Er hofft, dass nach der heutigen Aufsichtsratssitzung, wo Präsident Michael Leitenstorfer die finanzielle Situation des Klubs offenlegen muss, wieder Ruhe im Verein einzieht. Es könne nicht sein, dass man mit öffentlichen Diskussionen "selbst die eigenen Grundmauern erschüttert".
Auch beim Aufbau einer neuen Mannschaft dürfte das Thea-ter am Steigerwald alles andere als förderlich sein. Während sich der frühere Auswahltorhüter dafür stark macht, dass Norman Loose, Carsten Sträßer und Silvio Pätz dem FC Rot-Weiß erhalten bleiben, werden Pfullendorfs Torjäger Mark Römer (21 Saisontreffer) sowie Plauens Mittelfeldakteur Andreas Richter in Erfurt als heiße Kandidaten für die nächste Saison gehandelt.
Ob Michael Leitenstorfer dem Klub dann immer noch vorsteht, entscheidet sich wohl am heutigen Abend. Dem Präsidenten ist vor der klärenden Aussprache jedenfalls nicht bange. "Wir werden die Zahlen auf den Tisch legen und dem Aufsichtsrat einen Weg zeigen, wie wir unsere derzeitigen Liquiditätsprobleme beseitigen können", blickt der Vereinschef voraus. Er verstehe die ganze Aufregung nicht. Man habe nie ein Geheimnis sowohl um die Zahlungsschwierigkeiten als auch um den Schuldenberg gemacht. "Die Verbindlichkeiten des Klubs betragen zum 31. Dezember 2002 etwa 1,4 Millionen Euro", wiederholt der Rechtsanwalt und weist darauf hin, dass sich die Summe seit seiner Amtsübernahme um knapp 200 000 Euro verringert hat.
Durch die externen Diskussionen um die Finanznot des Regionalligisten sei es ungleich schwerer, den aktuellen Engpass auszugleichen. "Für Verhandlungen mit Sponsoren war das nun gar nicht förderlich", so Leitenstorfer. Obwohl er es nicht bestätigen wollte, ist anzunehmen, dass sich der Kämpfertyp keinesfalls freiwillig zurückziehen wird.


Statistik

SV Wehen: Koltermann - Da Silva Kaymak, Ziehl (46. Mokhtari) - Huster, Bunsenthal, Matarazzo, Hien - Amstädter (77. Dylon) - Mehic, Neticha

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Bach, Ziegner, Loose, Mees - Hartung (89. Gerke), Raspe, Laars, Hornung - Okic - Hebestreit

Zuschauer: 886


34.RWE-Bayern
36.RWE-Offenbach