34.RWE-Bayern

FC Rot-Weiß-Erfurt - FC Bayern (A.) 0:0

Mathematisch gesehen ist die Dauer von 90 Minuten immer gleich. Doch die gestrige Spielzeit beim 0:0 zwischen dem FC Rot-Weiß und den Bayern-Amateuren erschien den Zuschauern weitaus länger als eineinhalb Stunden. Umso größer war das Aufatmen, als es endlich vorüber war.
Selbst die Pfiffe blieben aus. Es war, als hätten die Fans bereits im Vorfeld mit einem traurigen Spiel gerechnet. So verließen sie gestern Abend zwar kopfschüttelnd und murrend, aber nicht allzu verärgert das Stadion. Es galt, sich schöneren Dingen zuzuwenden. Nur schnell das an Höhepunkten arme 0:0 abhaken, bei dem sich das eigene Team nicht einmal eine echte Chance herausgespielt hatte.


Schon in der ersten Halbzeit wiesen die Münchner nach, weshalb sie als drittbestes Auswärtsteam der Liga angereist waren. Sie wirkten weitaus spielfreudiger und besaßen auch zwei Großchancen zur Führung. Zunächst hatte sich Barut gegen Loose durchgesetzt, den Ball frei auf Twardzik zulaufend jedoch nur ans Tordreieck gezirkelt (27.). Und kurz vor der Pause verfehlte der Ex-Jenaer Hauser, der für Fink in die Anfangself gerückt war, knapp das Ziel. Sein Flugkopfball aus Nahdistanz strich am Pfosten vorbei (45.). Beide Male wäre Twardzik machtlos gewesen.
Seine Vorderleute agierten indes nach vorn zu zögerlich, rückten bei Kontergelegenheiten (Sträßer) nicht entschlossen nach und vernachlässigten fast vollständig die Bewegung ohne Ball. Dadurch blieb im Spielaufbau vieles Stückwerk. Gefährlich wurde es ausschließlich, wenn Okic zu Soli ansetzte. Doch der Regisseur, der den einzigen Erfurter Torschuss abgab (2./vorbei), war zu häufig auf sich allein gestellt.



 

Gansauge (hi.) im Kopfballduell mit Hasenhüttl

Nach dem Wechsel beteiligten sich auch die Gäste an dem müden Kick. Allen war anzumerken, dass es nur um die Goldene Ananas ging. Der heftige Regenguss zu Beginn des zweiten Durchgangs ließ das Geschehen noch trostloser wirken. Die Fans, die unters Tribünendach flüchteten, wären mal lieber nach Hause gegangen. Sie hätten nichts verpasst, was ihren fußballerischen Wochenend-Gesprächsstoff bereichert hätte.
Nicht, dass den Rot-Weißen nach der wenig belebenden Dusche fehlendes Bemühen vor der Minus-Kulisse vorzuwerfen war. Aber die Luft war spürbar raus.
Dass die Gastgeber nicht die zweite Heimniederlage (nach dem 1:3 gegen Unterhaching) kassiert hatten, lag an der Abschluss-Schwäche der kleinen Bayern und Twardzik. Der Erfurter Keeper hielt einen Distanzknaller seines ehemaligen Teamkollegen Oswald (72.) sowie Hausers aussichtsreichen Versuch kurz vor Ultimo. Bei Guerreros Drehschuss nach einer Stunde, der über die Latte streifte, hatte der Tscheche das Glück des Tüchtigen Kein Geld - kein Bock?
Die ausbleibenden April-Gehälter als Hauptursache für die traurige Vorstellung heranzuziehen, wäre zu einfach. Der Leistungsabfall vollzog sich - bis auf die Ausnahme Regensburg (1:0) - schon in den letzten Wochen. Diejenigen, die auf einen neuen Vertrag hoffen, konnten sich erneut nicht empfehlen. Der Rest ist nicht mehr ausreichend zu motivieren. Zu tief scheint die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg zu sitzen. Die Mannschaft sehnt förmlich das Saisonende herbei. Genauso wie die bedröppelten Zuschauer den gestrigen Abpfiff. Als er ertönte, rissen manche die Arme hoch.



 

FLIEGENDE MASKE: Erfurts Sträßer wird von Bayerns

Trainerstimmen

Alois Schwartz (Erfurt):
"Insgesamt hat die Partie gezeigt, wie groß unsere Probleme in der Angriffszone sind."

Hermann Gerland (Bayern München):
"Wir hatten klar die besseren Gelegenheiten. Leider blieben diese jedoch ungenutzt. So müssen wir am Ende mit dem Unentschieden zufrieden sein."


Interview: Bruno Akrapovic

Haben Sie gegen Bayern letztmals das Rot-Weiß-Trikot getragen?
Ja, mein Vertrag wurde zum 15. Mai aufgelöst.

Warum?
Hauptgrund ist meine Familie, die in Berlin wohnt und schon in meiner dreijährigen Cottbuser Zeit nur wenig von mir hatte.

Die Auflösung der eigentlich noch bis Juni 2004 dauernden Vereinbarung ging also von Ihnen aus?
Ja, weil ich auch nicht irgendeinen Vertrag nur absitzen und als Absahner dastehen will.

Sie waren erst im Dezember als großer Hoffnungsträger nach Erfurt gekommen. Wie lautet Ihr Fazit nach dem Kurz-Aufenthalt?
Mein Ziel war der Aufstieg und der ist nicht gelungen. Also kann ich nicht zufrieden sein und verstehe auch, wenn ich andere mit meinen Leistungen nicht hundertprozentig überzeugt habe.

Hat der FC Rot-Weiß Erfurt überhaupt die Voraussetzungen für die 2. Liga?
Sportlich hatten wir die Qualität schon diese Saison, ohne sie kontinuierlich zu nutzen. Auch sonst sehe ich viel Potenzial.

Finden Sie den angedachten personellen Umbruch richtig?
Ich würde den Großteil des guten Kaders behalten, um nicht wieder von vorn anfangen zu müssen.

Mit Ihnen an der Seite blühte Branco Okic auf. Könnte er nun wieder in ein Loch fallen?
Ich habe selten einen Fußballer erlebt, der so viel draufhat. Ich habe ihm mal gesagt, dass ich mich dafür schämen würde, wenn er die Drecksarbeit für mich macht. Aber er benötigt auf jeden Fall weiter viel Unterstützung.

Werden Sie weiter Fußball spielen?
Sicher. Im Garten mit meinem Sohn. Und vielleicht auch noch bei einem anderen Verein in Berliner Nähe.

Gespräch: Gerald MÜLLER


Statistik

Tore: Fehlanzeige

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Ziegner, Gansauge (85. Akrapovic), Loose, Mees - Bach (82. Müller), Raspe (46. Laars), Hartung, Strässer - Okic - Hebestreit

Bayern München (A): Rensing - Lell, Husterer, M'Bock, Oswald - Hauser, Lahm, Haas (46. Kilicaslan), Barut (42. Endress) - Guerrero (84. Heller), Hasenhüttl

Zuschauer: 2.640


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