34.Dresden-RWE

1.FC Dynamo Dresden - FC Rot-Weiß Erfurt 2:1

Unterschiedlicher konnte das Abschiednehmen nicht ausfallen. Während sich Dynamo Dresden nach dem 2:1-Sieg im letzten Saisonspiel mit einem großen Fest laut und glücklich in die Sommerpause verabschiedete, kehrte der FC Rot-Weiß der 2. Bundesliga trau- rig und leise den Rücken.
Ob es für den abgestiegenen Neuling in naher Zukunft ein Wiedersehen im bezahlten Fußball geben könnte, werden die kommenden Tage zeigen. Rund 600 000 Euro sind notwendig, um die Liquidität zu sichern. Eine Bürgschaft von 1,3 Millionen Euro wird benötigt, um die Lizenzauflagen zu erfüllen. Die Fraktionen der Stadt verhandeln diese Woche, Mittwoch könnte es eine Entscheidung geben.Nicht nur in sportlicher, sondern auch in dieser Hinsicht kann Erfurt guten Gewissens von Dresden abgucken. Im Stadionheft wendete sich der Oberbürgermeister an die bereits zwei Stunden vor Anpfiff für Stimmung sorgenden Zuschauer, um nochmals auf die enge Verbindung von Stadt und Verein aufmerksam zu machen. Worte, denen zuvor schon Taten gefolgt waren, indem er maßgeblich an der Bereitstellung von Bürgschaften durch die heimische Wirtschaft beteiligt war.



 

Dass der Fußball in Sachsen künftig höherklassig als in Thüringen rollt, war in der Anfangsphase nicht zu sehen. Im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion, das noch immer den Charme der 80er-Jahre versprüht, dominierten zunächst die blau gekleideten Rot-Weißen. Gleich in der ersten Minute hatte David die Gelegenheit, seine Mannschaft frühzeitig in Führung zu bringen - er konnte aber Kresic aus sieben Metern nicht überwinden. Das seltene Ereignis passierte aber dann doch noch, als David glänzend Onwuzuruike freispielte. Beide gehören zu den umworbenen RWE-Akteuren des möglichen Regionalliga-Kaders, beide werden bei entsprechenden Angeboten sicherlich den Verein wechseln. Nach der genauen Vorlage scheiterte der Nigerianer, dafür war Traub im Nachschuss mit seinem ersten Saisontor erfolgreich.Angesichts des feststehenden Abstieges fiel die Freude verständlicherweise verhalten aus. Und auch wenn sie sich nur innerlich breit machte, lange hielt sie ohnehin nicht an. Denn nur drei Minuten später fiel der Ausgleich. Der Ex-Erfurter Oswald hatte scharf abgezogen, Twardzik konnte den Ball nur vor die Füße von Lavric abwehren. Der von mehreren Erstligisten (unter anderem Bundesliga-Aufsteiger Duisburg) umworbene Angreifer hatte keinerlei Mühe, ins lange Eck zu vollenden. In einer insgesamt langweiligen Partie besaß Dynamo anschließend mehrere Chancen, schon vor der Halbzeit auf die Siegerstraße zu gelangen. Doch entweder vergaben die Schwarz-Gelben im strömenden Regen leichtfertig ihre Möglichkeiten oder Twardzik parierte - wie so oft zuletzt - glänzend


 

An der Überlegenheit änderte sich auch nach dem Wechsel nichts. Sie ging trotz offensiven Bemühens des Tabellenletzten, der den nach einem Zusammenprall kurz bewusstlosen Hebestreit schon nach 21 Minuten verlor, einher mit mehreren Gelegenheiten für die Gastgeber. Doch für den entscheidenden Treffer, der Rot-Weiß die vierte Niederlage in Folge bescherte, benötigen sie fremde Hilfe. Eine scharfe Eingabe von Brinkmann fälschte Traub unglücklich ins eigene Netz ab. "Pech und individuelle Fehler, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Saison gezogen haben", sagte Kresin nach dem Abpfiff mit gesenktem Kopf. "Es ist fast symptomatisch für uns, dass wir wieder ein Eigentor kassiert haben", meinte Trainer Kocian. Dennoch konnte er konstatieren. "Ich denke, wir haben uns anständig präsentiert." Wie es mit ihm und dem Erfurter Team weitergeht, bleibt offen. Heute treten die Spieler den Urlaub an, einige fliegen nach Mallorca, andere verreisen erst in den nächsten Tagen. In dieser Zusammenstellung wird sich die Mannschaft jedoch auf keinen Fall mehr wiedersehen.


 

Zu denen, die für immer ihren Spind ausräumen, gehört Dworrak. Der Mainzer, der erst nach der Winterpause kam, wird sich die dritte oder gar vierte Liga nicht antun. Trotz des verpassten Klassenerhalts blickt er nicht im Zorn zurück. "Es waren bewegende Monate, in denen wir Spieler versagt haben." Was er in einem halben Jahr mit Rot-Weiß erlebt hätte, "passiert anderen Vereinen in 100 Jahren nicht."Was 2005/2006 geschieht, werden die nächsten Wochen zeigen. Für die Fans, die auch gestern mit 1000 Anhängern für Unterstützung gesorgt haben, ist der Verlauf klar. Kurz vor Schluss rollten sie ein Plakat aus: "Fußball-Liga 3 - als Aufsteiger dabei." Aber das wird nur Wunschdenken bleiben. Erst einmal ist wichtig, dass Rot-Weiß überhaupt in der dritten Liga dabei ist.


 

Trainerstimmen

Jan Kocian (FC Rot-Weiß Erfurt): "Wenn man ein Spiel verliert, ist man traurig, aber wenn man nach einer Saison absteigt, ist man natürlich noch viel trauriger. Dennoch hat meine Mannschaft heute Moral gezeigt, ordentlich gespielt und die heimstarken Dresdner über weite Strecken in Verlegenheit gebracht. Das Spiel in Dresden war wie viele andere der Saison: Wir haben unglücklich verloren."

Christoph Franke (Dynamo Dresden): "Wir haben anfangs unkonzentriert gespielt und sind erst Mitte der ersten Halbzeit richtig wach geworden. Die Erfurter haben es uns nicht leicht gemacht, das Spiel zu entfalten. Und deshalb mussten wir auch das Glück des Tüchtigen bemühen, um den Siegtreffer zu erzielen. Ich freue mich insgesamt über unser erstes Jahr in der 2. Bundesliga, dass wir als Aufsteiger mit 49 Punkten auf Platz acht gelandet sind. Das zeigt, dass unsere Arbeit nicht schlecht war."


Statisik

1. FC Dynamo Dresden: Kresic - Scholze, Oppitz, Czik, Christ (73. Heidrich), Oswald, Beuchel (64. Fiebig), Brinkmann (82. Wansi), Fröhlich, Kennedy, Lavric

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Fall (76. Schnetzler), Keller, Traub, Klingmann, Kresin, Barletta, Onwuzuruike (69. Dworrak),David, Richter, Hebestreit

Tore: 0:1 Traub (9.), 1:1 Lavric (11.), 2:1 Lavric (64.)

Zuschauer: 23.940

Schiedrichter: Seemann

Gelbe Karten: Oswald, Ziebig - Barletta, Klingmann, Kresin, Onwuzuruike


33. RWE-Köln
01.RWE-Köln