33. RWE-Köln

FC Rot-Weiß Erfurt - 1. FC Köln 0:1

Die Rückkehr des FC Rot-Weiß in die 2. Bundesliga blieb ein einjähriges Intermezzo. Daran ändert auch ein eventueller Punkte-Zuspruch des DFB-Bundesgerichts nichts mehr. Durch die 0:1-Niederlage im letzten Heimspiel gegen Köln ist der Abstieg besiegelt - und die Zukunft des Klubs unklarer als jemals zuvor.

Es war ein Abschied mit Wehmut, aber ohne viele Tränen. Trotz des feststehenden Abstieges feierten Erfurts Anhänger am Sonntag nach dem 0:1 gegen Aufsteiger 1. FC Köln ihre Mannschaft mit LaOla-Wellen und schwenkenden Fahnen. "Unsere Fans sind einfach unglaublich", bekam Ralf Klingmann nach dem letzten Zweitliga-Heimspiel der Saison fast schon feuchte Augen, während Thorsten Traub respektvoll von den besten Fans der Liga sprach.

Noch immer fehlen den Erfurtern rund 600 000 von den 1,093 Millionen Euro an Werbe- und Sponsorengeldern, die der DFB zur Bedingung für die Erteilung der Regionalliga-Lizenz gemacht hat. Bis zum 10. Juni muss diese Summe aufgebracht sein, um den freien Fall aus Liga zwei in Liga vier und damit einen völligen Zusammenbruch zu verhindern.



 

Im Falle der Oberliga würden nicht nur sämtliche Spieler, sondern auch die sportliche Leitung den FC Rot-Weiß verlassen.Auch deshalb fordert Trainer Jan Kocian in dieser Woche klare Entscheidungen. "Es müssen Gespräche stattfinden, in denen alles auf den Tisch muss. Das betrifft sowohl die sportlichen Planungen als auch wirtschaftlichen Möglichkeiten", sagte der Slowake, der - wie Manager Stephan Beutel und 13 Akteure des aktuellen Kaders - einen Kontrakt für die Regionalliga besitzt.Nach der 0:1-Niederlage gegen Aufsteiger Köln im vorerst letzten Zweitliga-Heimspiel schien die Angst vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit größer als die Enttäuschung über den Abstieg. "Mit dem Dopingfall sind die Lichter doch schon ausgegangen", erklärte Sakko Schröder. Dem Betreuer, der sich seit nunmehr 25 Jahren um die tausend kleinen Dinge rund um die erste Mannschaft kümmert, tut sein vierter Abstieg mit dem FC Rot-Weiß "verdammt weh". Die Leere im Kopf wird wohl noch eine Weile andauern. Doch der 61-Jährige macht sich vor allem Sorgen um die Zukunft: "Keiner weiß doch, wie es weiter geht."



 

Existenzängste plagen auch die Spieler: "Mir kann niemand etwas sagen. Es wird immer auf den 10. Juni verwiesen", meinte der noch vertragslose Ronny Hebestreit. Auch Henry Onwuzuruike und Enrico Neitzel, die an den Verein gebunden sind, fühlen sich hilflos. "Mehr als abwarten können wir nicht", sagte Onwuzuruike. Und Neitzel ergänzte: "Wir hoffen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt."Es ist eine Mischung aus Unsicherheit und Unverständnis, die ebenso unter den knapp 18 000 Zuschauern zu spüren war. Wie gravierend muss Misswirtschaft und Fehlplanung gewesen sein, wenn allein die Fans drei Mal so viel Geld in die Klubkassen gespült haben? Statt den kalkulierten 4500 kamen durchschnittlich fast 12 000 Besucher zu den 17 Heimspielen ins Steigerwaldstadion. Eine Resonanz, die den Fehlbetrag von 750 000 Euro im laufenden Etat noch unglaublicher erscheinen lässt. Nicht hoch genug angerechnet werden kann dem Publikum deshalb auch die Stimmung, für die es beim Abschied gesorgt hatte. Da wurde gesungen, geklatscht und gefeiert, obwohl ihre Mannschaft gegen Köln über die 90 Minuten hinweg praktisch chancenlos war. Allein dem überragenden René Twardzik hatten es die Rot-Weißen zu verdanken, dass sie nur mit 0:1 unterlagen.


 

Dank zahlreicher Paraden des Tschechen dauerte es eine Stunde, bis der Sturmlauf des Favoriten von Erfolg gekrönt war. Einen Ballverlust im Mittelfeld bestrafte Ebbers mit dem entscheidenden Tor. Nach einem Quer- pass von Scherz spitzelte er vor Traub den Ball ins Netz."Den Klassenerhalt haben wir nicht heute verloren, sondern gegen Cottbus und Karlsruhe", erklärte Kocian. Er hatte sein letztes Aufgebot aufs Feld schicken müssen, weil sich Kreuz (Hüftbeschwerden) und Barletta (Zerrung) kurzfristig abgemeldet hatten. Seiner Rumpfelf fehlte somit nicht nur der Biss in dem beinahe "körperlosen" Spiel, sondern auch die Qualität, die Kölner in Verlegenheit zu bringen. Lediglich bei Standards kam Gefahr auf. Traubs Kopfball schlug Sinkala von der Linie (20.), Glödens Versuch meisterte Wessels mit tollem Reflex (74.). Und als Keller das Leder doch einmal in die Maschen bugsiert hatte, entschied der ansonsten sehr großzügige Schiedsrichter zu Recht auf Handspiel (45.). Bitter: Der Ball wäre wohl auch ohne das verbotene Zutun des Rot-Weiß-Verteidigers ins Tor gegangen. Als Trost bleibt, dass auch ein Remis nichts am Abstieg geändert hätte. Damit ist die morgige Berufungsverhandlung im Dopingfall Tiganj wertlos. Und die Fans nahmen es auf eine besondere Art und Weise hin: Bereits fünf Minuten vor dem Schlusspfiff ließen sie die La-Ola-Welle durchs Stadion rollen. Sie sind die Gewinner dieser Saison.


 

Trainerstimmen

Jan Kocian (FC Rot-Weiß Erfurt): "Nicht erst heute ging der Klassenerhalt verloren. Die Kölner haben im Laufe der Saison bewiesen, dass sie die beste Mannschaft der 2. Liga haben. Hochachtung vor Rene Twardzik, der seine Arbeit heute mehr als nur sehr gut bewältigte. Wir hatten heute nominell zu viele Ausfälle, vor allem im Spiel nach vorn (Kreuz und Barletta). Es war unser letztes Aufgebot. Die Regionalliga wird für mich kein Hindernis sein, in Erfurt meine Arbeit zu verrichten. Dennoch muss der Vereinsleitung sich zusammensetzen, um gewisse Dinge zu klären."

Stevens (1. FC Köln): "Wir sind froh, unsere Chance auf die Meisterschaft erhalten zu haben. In der letzten Woche hatte uns unsere Feier einen Strich durch die Rechnung gemacht, als wir gegen Trier verloren. Mit der ersten Halbzeit war ich nicht zufrieden. Wir hätten auf Grund unserer Spielweise auch zurückliegen können. Ich habe bei Kellers Tor kein Handspiel gesehen. Ein Lob unseren Fans, die uns auch heute den Rücken gestärkt haben."



 

Statistik

Tore: 0:1 Ebbers (61.)

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Fall, Keller, Traub, Bürger (46. Glöden) - Kresin - Schnetzler (81. Fischer), David, Klingmann, Onwuzuruike - Neitzel (64. Hebestreit)

1.FC Köln: Wessels - Sinkiewicz, Voigt, Sinkala (46. Lell) - Guie-Mien, Schindzielorz (78. Benschneider), Bilica - Streit, Podolski (83. Streit), Scherz - Ebbers

Zuschauer: 17.459

Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)


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