30.RWE-Wehen

FC Rot-Weiß Erfurt - SV Wehen 2:0

Rekordkulisse im Steigerwaldstadion. Noch nie kamen so viele Zuschauer zu einem Regionalliga-Spiel der Rot-Weißen wie gestern Abend. 11 346 Fans bejubelten den 2:0-Sieg über Wehen frenetisch. Ihre Mannschaft hatte die Tabellenspitze erklommen.
Die Freude war riesengroß. Als der Abpfiff ertönte, war das Stadion längst zu einem Tollhaus geworden. Die überglücklichen Fans feierten ihre Rot-Weißen mit minutenlangen Ovationen und Freudengesängen. Erstmals seit dem 4. August 2000, als man in Offenbach 1:0 gewonnen hatte, waren die Erfurter Tabellenführer in der Regionalliga. Und das vor einer in Liga drei noch nie vorhandenen Kulisse im Steigerwaldstadion. Das Unternehmen Aufstieg hat seinen Lauf genommen. Wer nicht dabei war, muss sich ärgern.



 

Ronny "Fußballgott" schießt uns zum Sieg

Das Spiel begann mit achtminütiger Verspätung, weil das Schiedsrichter-Gespann bei Eisenach im Stau gesteckt hatte. Dafür ließen beide Mannschaften die Abtastphase weg. Die Wehener präsentierten sich erstaunlich offensiv und wirkten auf dem regennassen Rasen ballsicherer. Sie bewiesen, weshalb sie nach den Bayern-Amateuren die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga sind. Und sie wollten die 1:6-Niederlage aus dem Hinspiel - ihre höchste Pleite in der Regionalliga überhaupt - unbedingt wettmachen. Dafür nahmen sie Okic häufig in Doppeldeckung und bewachten auch Müller haarscharf.


 

Jubel nach Neitzels zweitem Treffer

Im zweiten Durchgang wurde Rot-Weiß aktiver. Der laufstarke Glöden setzte seinen Kopfball noch daneben (54.). Hebestreit machte es anschließend besser. Nach Klingmanns Ecke stieg der Kopfballspezialist am höchsten und drückte den Ball über die Linie (62.). Fast im Gegenzug hatte Melunovic die Großchance zum Ausgleich, scheiterte freistehend aus zehn Metern allerdings an Twardzik. Doch mitten hinein in die stürmischen Angriffsversuche der Hessen schlug Neitzel zu. Soeben für Hebestreit gekommen, vollendete er einen tollen Konter zum verdienten 2:0 (69.). Dabei demonstrierte der Blondschopf jenes riesige Selbstvertrauen, das er durch seine Tore in den letzten Partien gewonnen hat. Statt auf zwei besser postierte Nebenleute zu legen, drückte er aus 18 Metern aus vollem Lauf einfach ab - unhaltbar für Koltermann.
Was folgte, war ein Fußballfest in rot-weiß. Das begeisterte Publikum ließ die La-Ola-Welle durchs Steigerwaldstadion kreisen und feierte die Mannschaft mit Sprechchören. Lautstark hallte das "Zweite Liga - Erfurt ist dabei" durchs Rund. Mit stehenden Ovationen (Ole! FC Rot-Weiß!) und rhythmischem Beifall unterstützten die Fans das Team, das gegen die anrennenden Wehener problemlos verteidigte und nach dem Schlusspfiff ausgelassen mit seinen Anhängern feierte. Die zweite Liga kann kommen.



 

Branco Okic wie immer stark!

Trainerstimmen

Müller (FC Rot-Weiß Erfurt): "Ich hatte vor diesem Heimspiel viel Respekt vor den Wehenern. Auch nach unserem Sieg ist noch gar nichts erreicht. Wir werden morgen sofort wieder zur Tagesordnung übergehen. Es war heute fantastisch. Bei solchem Wetter, es regnete den ganzen Tag, 11.000 Zuschauer und diese Stimmung. Hier ist eine Einheit zwischen Zuschauern und Mannschaft gewachsen."

Auf die fünfte Gelbe Karte für Hebestreit angesprochen: "Wichtiger war für mich das Tor von Ronny. Mit diesem 1:0 hat er für uns das Spiel geöffnet."

Zu Neitzel: "Er hat stets bei seinen Einwechslungen Chancen gehabt, doch bis vor einigen Wochen wenige genutzt. Die Mannschaft und ich haben stets an ihn geglaubt."

Vasic (Wehen): "Für Erfurt war es ein Spitzenspiel, für uns nicht. In den 90 Minuten ist es uns nicht gelungen, die Erfurter Mannschaft entscheidend auszuspielen. Die Gastgeber haben sich gut präsentiert. Dennoch hatten wir nach dem Erfurter Führungstor mehrfach die Gelegenheit zu einem Treffer. Die Meisterschaft ist aber noch nicht entschieden."


Statistik

Tore: 1:0 Hebestreit (61.), 2:0 Neitzel (68.)

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Fall, Richter, Laars, Klingmann (76. Traub) - Zedi, Glöden - Hopp, Hebestreit (67. Neitzel), Okic (87. Kaiser) - Müller

SV Wehen: Koltermann - Gunkel - Nakas, Kaymak - Ziehl, Sprecakovic, Bunzenthal, Dama - Anstätter (71. Ben Neticha), Melunovic (71. Mehic), Nogorny (84. Uyanik)

Schiedsrichter: Walz (Öhringen)
Zuschauer: 11.340


Moment mal: Andreas Richter

Vor der Saison war Andreas Richter vom Oberligisten VFC Plauen nach Erfurt gekommen und hat sich seitdem einen Stammplatz in der Abwehr erkämpft. Nach dem Abpfiff sprach TA mit dem 26-Jährigen.

Haben Sie schon mal vor so einer großen Kulisse gespielt?
Ja, mit Plauen im Pokalfinale gegen Dynamo Dresden. Aber, dass bei dem Regen so viele ins Steigerwaldstadion gekommen sind, ist sensationell. Ein Dank an die Fans.

Wie nah ist Erfurt jetzt am Aufstieg dran?
Wir sind mit dem Sieg dem Aufstieg ein kleines Stück näher gekommen und können eine Woche länger davon träumen.

Als Spitzenreiter in der Regionalliga träumt es sich bestimmt noch angenehmer.
Ja, das ist eine schöne Zugabe. Wir haben manche Rückschläge in dieser Saison weggesteckt, uns aber immer wieder aufgerappelt und sind insgesamt effektiver geworden. Das ist jetzt auch die Belohnung dafür.

Das erneute zu Null spricht auch für Sie und die Abwehr.
Es spricht für die Abwehrarbeit der gesamten Mannschaft. Und es ist offensichtlich, dass wir nur ganz schwer zu bezwingen sind.

Schauen Sie mit einem Auge auch immer noch zu Ihrem alten Verein nach Plauen?
Natürlich. Obwohl ich mich in Erfurt sehr wohl fühle, habe ich noch immer viele Freunde und Bekannte dort. Wenn der VFC und wir am Ende der Saison aufsteigen sollten, wäre das schon toll.

Über 700 Fans waren beim letzten Auswärtsspiel in Mainz dabei. Mit wie viel Rot-Weiß-Anhängern rechnen Sie am Wochenende in Feucht?
Angesichts der Super-Stimmung und dem erneuten Erfolg denke ich, dass diese Zahl überboten wird.

Gespräch: Gerald MÜLLER .


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