26.RWE-Hoffenheim

FC Rot-Weiß Erfurt - TSG Hoffenheim 2:0

Manchmal passt es eben. Da fallen Ostern und der Geburtstag zusammen. Da fallen Tore innerhalb von wenigen Augenblicken. Und da fallen selbst dem Hauptdarsteller keine Erklärungen ein. "Ich bin nur glücklich", sagte Enrico Neitzel nach dem 2:0 des FC Rot-Weiß gegen Hoffenheim.
Gestern kehrte er aus Dassow zurück. Im Heimatstädtchen an der Ostseeküste hatte Enrico Neitzel seinen 27. Geburtstag gefeiert. Ganz im Familie. Eher ruhig und gemütlich - so wie es sich für einen Ostersonntag gehört. Dabei hätte er allen Grund gehabt, so richtig auf die Pauke zu hauen. Denn tags zuvor hatte der Blondschopf die TSG Hoffenheim mit einem Doppelpack fast im Alleingang bezwungen. Der FC Rot-Weiß blieb damit im Aufstiegsrennen auf Kurs.
"Zum richtigen Zeitpunkt war er zur Stelle", lobte Trainer René Müller den letztjährigen Torschützenkönig (30 Treffer) der Oberliga Nord. Als Hebestreit gesperrt und Müller wegen seines Jochbeinbruchs noch gehandicapt auf der Bank saß, stellte Neitzel seinen Torriecher unter Beweis. "Endlich. . .", entfuhr es dem Mecklenburger, als ihn Kapitän Zedi nach der Ehrenrunde vom Rücken ablud. "Die Truppe hat immer an mich geglaubt und mir stets Mut gemacht."



 

Enrico Neitzel traf schon nach 3 Minuten

Auch in der Halbzeitpause, als der in Erfurt schon als "Chancentod" bezeichnete Angreifer erneut mit sich haderte. Wie im bisherigen Saisonverlauf hatte er auch im ersten Abschnitt gegen die Hoffenheimer gute Möglichkeiten ausgelassen. Und es schien, als hätte ihn das Schönberger Glück in Erfurt wirklich verlassen. Zunächst strich seine Direktabnahme übers Tor (15.), dann rettete erst Sieger (30.) und kurz vor dem Wechsel Bindnagel auf der Torlinie. Jeweils gingen tolle Aktionen des starken Branko Okic voraus.
"Da habe ich schon gezweifelt", verriet Neitzel später. Doch für sein unermüdliches Engagement wurde er belohnt. Binnen zweier Minuten entschied die drangvolle Spitze die Partie zu Gunsten der Rot-Weißen. Dem Führungstor ging ein langer Pass des enorm zweikampfstarken Torsten Traub voraus. Im Laufduell schüttelte der Erfurter Bewacher Daub ab und knallte das Leder aus vollem Lauf unter die Latte (50.). Aus dem belächelten Deppen, den einige schon die Regionalliga-Tauglichkeit absprechen wollten, war plötzlich der umjubelte Held geworden.
Und der Beifall des Publikums war kaum verhallt, da legte Neitzel nach. Einen weiten Einwurf von Zedi, der Gäste-Regisseur Ollhoff meist abmeldete, ließ er auf dem Fuß tanzen und vollen-dete aus der Drehung ins obere Eck. Ein Traumtor, wie man es ansonsten nur von Brasilianern kennt. Trotzdem blieb das Nordlicht kühl und bescheiden und stellte das eigene lange vermisste Glücksgefühl hinten an. "Der Erfolg der Mannschaft ist das Wichtigste. Ich hoffe jetzt natürlich, dass bei mir der Knoten geplatzt ist und ich ihr auch in Zukunft mit Toren helfen kann."
Von eigenen Treffern war der Gegner indes weit entfernt. Bis auf einen von Twardzik per Fußreflex gehaltenen Maier-Schuss (59.) passierte in der Hoffenheimer Offensive nichts. Die neue Erfurter Dreierkette wirkte stabil und zeigte sich bei den Konteransätzen der Gäste aufmerksam. Zudem besaßen die Rot-Weißen klare Zweikampfvorteile und hätten in der Schlusspha- se sogar noch etwas für ihr Torverhältnis tun müssen. Doch weder Nicu (60./84.), noch der mit Gesichtsmaske eingewechselte Müller (86.) oder Fall (90.) verwerteten ihre Konterchancen.
Die letzten Torszenen bekam Okic gar nicht mit. Da befand sich der Dribbelkünstler bereits in der Kabine und fluchte dort über seine Auswechslung. Diese hatte er zuvor mit einem kräftigen Tritt vor die Plexiglasscheibe des Spielertunnels kommentiert. Trainer Müller begründete seine Maßnahme mit "Okics 35 Jahren" und bewertete die Emotionen nicht über. "Das ist bei Südländern eben so. Bald liegen wir uns wieder in den Armen."
Beim gestrigen Training war der Ärger des Spielmachers wieder verraucht. Vielleicht auch, weil die Rot-Weißen ihren dritten Platz (und damit einen Aufstiegsrang) verteidigen konnten und manche Verfolger (Augsburg, Pfullendorf) gestolpert waren. Doch am Freitag in Pfullendorf muss nachgelegt werden.


Statistik

Tore: 1:0 Neitzel (50.), 2:0 Neitzel (53.)

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Laars, Traub, Klingmann - Zedi, Richter, Glöden, Hopp - Nicu (88. Fall), Okic (80. Kaiser) - Neitzel (77. Müller)

TSG Hoffenheim: Knödler - Bindnagel, Born, Daup, Throm - Sieger (60. Theres), Endress, Chescutti - Ollhoff - Herdling (46. Mayer), Roping

Zuschauer: 4.900

Schiedsrichter: Hofmann (Ansbach)


25.Augsburg-RWE
27.Pfullendorf-RWE