23. Augsburg-RWE

FC Augsburg - FC Rot-Weiß Erfurt 0:0

Einen Punkt gewonnen oder zwei verloren? Die Antwort auf diese Frage konnte niemand der Rot-Weißen nach dem Abpfiff in Augsburg endgültig beantworten. Denn nach einer überlegen geführten ersten Hälfte kam der Gastgeber nach dem Wechsel spürbar auf.

Doch als Positivum bleibt festzuhalten, dass auch in dieser Phase die neu formierte Deckung einen guten Eindruck hinterließ. Ziegner, Gansauge, Laars und Loose hatte Trainer Feichtenbeiner in der ersten Partie nach der Winterpause für die Viererkette nominiert - sie dürfte nach der Vorstellung am Wochenende auch weiterhin sein Vertrauen haben.

Davor erfüllte Neuzugang Akrapovic seine Aufgaben "als Staubsauger" äußerst zuverlässig, auch wenn vom zweikampfstarken Ex-Cottbuser künftig noch mehr Impulse für den Angriff ausgehen könnten. Dort spielten der gut aufgelegte Okic und Dzihic, die mit Pätz für viel Unruhe in der FCA-Abwehr sorgten, zugleich aber die eine oder andere günstige Gelegenheit ausließen.

Vor fast 500 mitgereisten RWE-Fans boten die Erfurter eine sehenswerte erste Halbzeit, in der sie einer verdienten Führung des Öfteren sehr nahe waren. Doch sowohl die beiden Spitzen als auch der quirlige Sträßer, Ziegner und Raspe verpassten bei Schüssen beziehungsweise Kopfbällen zwischen der 3. und 43. Minute den ersten RWE-Treffer im Jahr 2003. Für die spielerische und optische Überlegenheit der Thüringer spricht, dass sich Augsburg in der ersten Hälfte weder eine Ecke noch eine Chance erarbeiten konnte.

Das änderte sich allerdings im zweiten Durchgang. Nun wurden die Middendorp-Männer stärker und zugleich auch gefährlicher. Mit einem Mal stand Torwart Twardzik im Blickpunkt, der gegen Coulibaly (54.) und Reeb (58.) jeweils glänzend parierte.

Doch Erfurt fand nach dieser Druckperiode erneut ins Spiel zurück und konnte sich selbst wieder Möglichkeiten schaffen, die jedoch durch Sträßer (62.) und den eingewechselten Fuchs (75.) keinen Erfolg brachten. Gerade in diesen verheißungsvollen Szenen, in denen Kaltschnäuzigkeit gefragt war, wurden der weiterhin verletzte Torjäger Hebestreit und der in der Vorbereitung als Vollstrecker überzeugende Leopold (grippaler Infekt) vermisst.

Aber auch der ambitionierte Aufsteiger hatte bei Kopfbällen von Müller und Martins nochmals den Torschrei in der fairen Begegnung auf den Lippen. Insofern schienen am Ende beide Mannschaften nicht unzufrieden über das Schlussresultat.

Trainer Feichtenbeiner lobte nach der dreimonatigen Spielpause logischerweise besonders die erste Halbzeit, in der die Akteure bis auf die Chancenverwertung "fast alles umgesetzt" hätten. Erfreut zeigte sich der Schwabe über das "zu null". Mit dieser Deckungsdisziplin könne durchaus optimistisch nach vorn geblickt werden, zumal der Gegner selbst im Spiel nach vorn teilweise beherrscht wurde. Dem stimmte selbst Kontrahent Bode zu: "Die Erfurter waren durchgängig besser. Ein knapper Sieg für sie wäre gerecht gewesen."

Mit drei Punkten soll es nun am Freitag anlässlich der Flutlichtpremiere im Steigerwaldstadion klappen. 19.30 Uhr ist dann der 1. FC Saarbrücken zu Gast, der die neue Erfurter Abwehr- Sicherheit und einen verstärkten Angriffs-Elan zu spüren bekommen soll. Nach Abpfiff dieser Begegnung dürfte deutlicher sein, wohin die Reise des FC Rot-Weiß in dieser Saison noch gehen kann.


Angemerkt

Wieder nur ein Remis auf fremden Platz. Erfurt ist wieder einmal der Unentschieden-König der RL-Süd. Die Mannschaft hat gut gespielt aber das reicht halt nicht. Am Schlimmsten ist, dass "unser" Trainer Feichtenbeiner nach jedem Spiel zufrieden ist. Dem Mann ist es doch augenscheinlich völlig egal ob Rot-Weiss gewinnt oder nicht.
Die System-Umstellung kann man als Erfolg ansehen. Man konnte wirklich so etwas wie überlegte Abwehr- und Aufbauarbeit erkennen. Was wir jetzt noch brauchen ist ein "Knipser" der die Dinger auch rein macht. Mit lauter Punkteteilungen jedenfalls steigt man nie und nimmer auf.


Trainerstimmen

Feichtenbeiner (Erfurt): "Wir waren spielerisch leicht überlegen, so dass uns ein knapper Erfolg gut zu Gesicht gestanden hätte. Vor allen Dingen in der ersten Hälfte hatten wir Vorteile und Torchancen (Sträßer, Pätz). Aber nach der Pause hätten genauso die Gastgeber in der Zeit zwischen der 60. und 65. Minute ein Tor zum Sieg machen können."

Mittendorp (Augsburg): "Eigentlich habe ich nichts anderes gesehen, als mein Kollege. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir in Erfurt ein noch besseres Spiel (2:2) gesehen haben. Ich bin mit dem 0:0 nicht unzufrieden."


Interview: Bruno Akrapovic

"Ich weiß, was im Fußball möglich ist"

Mit seinen 35 Jahren gehört Bruno Akrapovic, seit
Jahresbeginn beim Rot-Weiß spielend, zu den erfahrensten Spielern. Die TLZ bat ihn nach dem Augsburg-Spiel auf ein Wort.

Kann Rot-Weiß mit diesem Punkt leben?

Dem Spielverlauf nach war natürlich mehr drin für uns, aber ein Punkt beim Vierten ist schon mal ein Anfang.

Welche Chance sehen Sie für Ihren Verein, den Aufstieg noch zu schaffen?

Unsere Mannschaft braucht nur einmal einen positiven Lauf zu bekommen. Schauen Sie doch einmal nach Cottbus. Die haben mit einer Serie 16 Punkte hintereinander gemacht. Ich bin lange genug im Geschäft und weiß, was im Fußball alles möglich ist.

Welche Rolle ordnet Ihnen Trainer Michael Feichtenbeiner zu?

Ich soll das Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld sein. Hier, so meint er, würde in Erfurt Nachholebedarf bestehen.

Wie stehen Sie selbst zu dieser Aufgabe?

Die Rolle passt zu mir, zumal ich neben Torsten Raspe einen erfahrenen Spieler neben mir habe. Überhaupt funktioniert die neue Viererkette schon ganz gut.

Am Freitag kommt Saarbrücken zur Flutlichtpremiere nach Erfurt. Ihr Tipp?

Natürlich wollen wir gegen einen Mitkonkurrenten gewinnen. Selbstbewusst genug sind wir und hoffen auf eine große Kulisse im Stadion.

02.03.2003 Von Siegfried Otto


Statistik

FC Augsburg: Miletic - Alder, Löring, Thorandt - Bode, Abazi, Reeb, Dressler, Soltau (56. Martins) - Müller (77. Manislavic), Coulibaly

FC Rot-Weiss-Erfurt:
Twardzik - Ziegner, Gansauge, Laars, Loose - Pätz, Akrapovic, Raspe, Sträßer - Okic, Dzihic (64. Fuchs)


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