22.RWE-Fürth

FC Rot-Weiß Erfurt - SpVgg Greuther Fürth 1:2

Man kann gegen einen Tabellendritten zu Hause verlieren, aber nicht so wie die Erfurter gestern. Die begannen auf den von Rot-Weiß-Fans am Morgen vom Schnee befreiten Platz zwar gut, doch Richters Patzer, als er Eigler frei laufen und und auf Torschützen Hilbert flanken ließ (13.), machte alle Bemühungen zunichte. "Das Tor hat Fürth in die Karten gespielt", ärgerte sich Müller nach Spielschluss. Die Gäste domininierten danach klar, kombinierten fast wie im Training und hatten leichtes Spiel, weil deren Gegenspieler fast immer zu weit weg vom Mann standen. Zweikampfführung, an diesem Tag war es für die Erfurter ein Fremdwort. Dass David mit einem aus 40 Metern direkt verwandelten Freistoß kurz vor der Pause noch ein Tor aus dem Nichts gelang, hätte psychologisch helfen müssen, tat es aber nicht.


 

Wieder begannen die Gastgeber nach dem Seitenwechsel gut, und wieder war es ein individueller Fehler von Richter, der für seine Mitspieler nach hinten los ging. Albertz konnte diesen aus Nahdistanz rigoros ausnutzen (60.). Trainer Müller wusste schon Tage vor dem Spiel, wie stark die Fürther gerade über ihre rechte Seite sind. Deshalb verstärkte er seine linke Seite mit Traub und Klingmann, letztendlich vergebens, weil vor allem Hilbert dort mit amateurhaften Erfurtern Katz´ und Maus spielte. Fast schlimmer noch als die Patzer in der Abwehr, Rot-Weiß ließ (auch wenn Müller das später anders sah) jegliches Aufbäumen vermissen. Nicht einmal die Herreinnahme von Hebestreit (er scheiterte in der 90. Minute an Mavric) und van Buskirk als zusätzliche Angreifer neben Tiganj bewirkte etwas. Am Ende war das Ergebnis aus Erfurter Sicht noch das Beste, denn einmal scheiterte Eigler noch am Pfosten (33.) und zweimal retteten jeweils Keller (50.) und Fall (70.) noch auf der Linie.


 

Hat Erfurts Mannschaft nach dieser Vorstellung nun noch Chancen auf den Klassenerhalt? "Wie sie gespielt hat, gibt es wenig Hoffnung. Wie sie gekämpft hat, ja." Nicht nur René Müller hatte nach Spielschluss so seine Zweifel. Es war wohl im VIP-Raum, wohin die Pressekonferenzen direkt übertragen werden, das Signal, reagieren zu müssen.

Die miserable Vorstellung dürfte allerdings auch mit der Einstellung zu tun gehabt haben. Wenn beispielsweise David Fall und Stephan Keller bei etwa vier Grad plus mit Handschuhen auflaufen, dann zeugt das nicht unbedingt von einer Sieger-Mentalität nach dem Motto "Ärmel hochkrempeln für den Erfolg".



 

Trainerstimmen

Möhlmann (Fürth): "Unter dem Strich ein verdienter Sieg unserer Mannschaft. Nach der ersten Führung konnten wir weitere Chancen nicht nutzen, mehr noch, wir mussten den Ausgleich hinnehmen. Wir haben aber nach der Pause so weiter gespielt, wie wir begonnen hatten. Auch in der zweiten Halbzeit ließen wir zu viele Chancen ungenutzt."

Müller: "Die ersten zehn Minuten haben wir das Spiel bestimmt. Doch durch einen individuellen Fehler Richters gerieten wir in Rückstand. Zwar haben die Gäste dann gut gespielt, haben aber ihre Möglichkeiten nicht genutzt. Dann ein schönes Freistoßtor durch Davids. Leider spielten wir nach der Pause den Fürthern wieder in die Karten. Am Ende war es ein verdienter Sieg der Fürther. Wie die Mannschaft spielte, wird sie keine Chancen auf den Klassenerhalt haben, doch wie sie kämpfte, das machte Hoffnung."



 

Müller gibt auf

Der FC Rot-Weiß wird mit einem neuen Trainer die letzten 12 Spiele in der 2. Fußball-Bundesliga in Angriff nehmen. Nach der 1:2-Niederlage gestern gegen Fürth haben der Verein und René Müller am Abend die Zusammenarbeit beendet.

Die Trennung erfolgte plötzlich, aber letztlich nicht vollkommen überraschend. Rund eine Stunde nach dem Abpfiff setzte sich die Club-Führung mit René Müller zusammen, beide beschlossen dabei, künftig unterschiedliche Wege zu gehen.

Vorausgegangen war das siebente Spiel in Folge ohne Sieg, wobei der Tabellenletzte gestern auch einen spielerischen Offenbarungseid leistete. Mit nur einem Punkt in der Rückrunde war er in den vergangenen Wochen von einem Nichtabstiegsplatz stetig nach unten bis ans Ende gerutscht. "Wir hatten zuletzt einen Anti-Lauf", stellte René Müller kurz nach der Entscheidung gegenüber TA fest. Die nahm der Leipziger gefasst hin, "so ist das Geschäft und dem muss ich mich auch stellen". Dass er schon vor dem Anpfiff mit dem FC Rot-Weiß abgeschlossen hatte, bestritt der Ex-Nationaltorwart. "Ich war nur so ruhig auf der Bank gewesen, weil ich früher einmal heftige Probleme mit dem Schiedsrichter der Partie hatte. Deshalb wollte ich in dieser Hinsicht keinen unnötigen Reiz ausüben."

Ihm würde es Leid tun, dass es zu der schwierigen sportlichen Situation für den Verein gekommen ist, "ich wünsche mir, dass der Erfolg noch einmal zurückkehrt". Für René Müller, der in seiner rund anderthalbjährigen Zeit in Erfurt trotz Aufstiegs mit vielen Tiefschlägen zu tun hatte (Finanzprobleme, mangelnde Unterstützung des Umfelds, Querelen mit Spielern wie Gansauge, Braham, Kreuz), wird vorerst sein Assistent Alois Schwarz (Bild) das Training leiten. Doch das dürfte nur vorübergehend sein, der vom FC St. Pauli gekommen Manager Stephan Beutel gilt im deutschen Fußballgeschäft als Mann mit sehr guten Kontakten. Unweigerlich taucht als heißer Kandidat für die Bank natürlich jetzt der Name von Eduard Geyer auf, der in Cottbus jahrelang erfolgreich gearbeitet hat.

Doch egal, wer René Müller beerben wird, derjenige hat es ganz schwer. Das haben noch einmal die neunzig Minuten gegen Fürth gezeigt. Dort boten die Spieler viel zu wenig, um im Abstiegskampf bestehen zu können. Schonungslos wurden die Schwächen aufgedeckt. Davon gibt es viele und es werden anscheinend immer mehr.

Dass die fußballerische Qualität seiner Männer ungenügend ist, gestand auch René Müller ein. Allerdings durfte er in der Winterpause ja noch einmal nachlegen. Und gestern tauchte wieder die Frage auf, warum Zoran Pavlovic dazugehörte.

Doch natürlich ist der Slowene nicht allein schuld, alle Akteure waren gegen Fürth auswechselreif. Vor der Partie hatten sie sich noch dafür ausgesprochen, dass der Platz geräumt wird. Eine Fehl-Entscheidung. Die ganze letzte Woche trainierte die Mannschaft auf Schnee, um gestern Nachmittag den spielerisch übermächtigen Kontrahenten auf den Rasen zu führen und dort vorgeführt zu werden.



 

Statistik

Tore: 0:1 Hilbert (13.), 1:1 David (42.), 1:2 Alberts (59.)

gelb-rote Karte: Page (87. / wdh. Foul)

FC Rot-Weiß Erfurt: Reitmaier - Fall, Richter, Keller, Traub (57. van Buskirk) - Zedi, Klingmann - David, Dworrak (67. Onwuzuruike) - Pavlovic (72. Hebestreit) - Tiganj

SpVgg Greuther Fürth: Mavric - Weber, Westermann, Kleine, Dabac - Hilbert (84. Heller), Page, Alberts, Ruman - Eigler (90. Reichel), Rösler (62. Timm)

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

Zuschauer: 6.314



 

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