11. RWE-Hertha

FC Rot-Weiß Erfurt - Hertha BSC II 2:0

Nach Spielende zog er seine Handschuhe aus, steckte sie in die Hose und klatschte den Fans zu. So, als hätte er schon etliche Regionalliga-Spiele auf dem Buckel. Und genauso hatte Dirk Orlishausen vorher auch gehalten.

Nein, nervös sei er nicht gewesen. Auch habe er in der Nacht zuvor keine Probleme mit dem Einschlafen gehabt. Und spätestens beim Aufwärmen war das letzte Kribbeln in der Magengegend verschwunden. "Verrückt mache ich mich nicht mehr. Das hat mir als Jugendlicher oft geschadet", verriet der 23-Jährige.Und so freute er sich zwar, als ihm Pavel Dochev nach dem Abschlusstraining seinen Einstand im Regionalliga-Team ankündigte. Doch Dirk Orlishausen blieb gelassen und strahlte diese stoische Ruhe auch auf seine Vorderleute aus. Sie beeindruckten gegen die Talente von Bundesligist Hertha BSC mit einer guten Defensivleistung. Lediglich ein Mal musste der neue Mann zwischen den Pfosten, bei dem Dochev "ein besseres Gefühl als bei Ratajczak" hatte, während der 90 Minuten eingreifen. Als Covic allein auf ihn zulief, warf er sich dem Berliner entgegen und hielt so seinen Kasten sauber (38.)."Zu null und gewonnen. Was will man mehr", freute sich der Schlussmann. Aber es schien, als könne er immer noch nicht so richtig glauben, was derzeit mit ihm passiert. Vor wenigen Monaten spielte der gebürtige Sömmerdaer mit seinem Heimatklub in Greiz oder Gebesee vor rund 200 Zuschauern. Im Sommer kam er zu Rot-Weiß, um in der Oberliga zu lernen - und plötzlich ist er die Nummer 1 in dem Verein, für den er schon als Steppke geschwärmt hatte: "Es ging alles so schnell", meinte Orlishausen. Aber es sei auch genau das, wovon er stets geträumt hatte.Ähnlich erging es Robert Stark. Auch der 18-jährige Linksverteidiger lieferte ein starkes Regionalliga-Debüt, nachdem er sich durch gute Leistungen im Oberliga-Team empfohlen hatte. "Bei den Jungs brauchte ich keine Bedenken zu haben", zollte Dochev auch Jörn Nowak ein Sonderlob. Der 19-Jährige wurde auf der ungewohnten Position, rechts in der Abwehrkette, mit zunehmender Spieldauer immer besser.Das galt für die gesamte Erfurter Mannschaft, der die Verunsicherung nach den vorangegangenen fünf sieglosen Partien im ersten Durchgang anzumerken war. Da reagierten die Akteure phasenweise überhektisch, war die Angst vor einem Fehler spürbar.

Bezeichnend: Mit Stark besaß ausgerechnet der Debütant die größte Chance zur Führung. Seinen Kopfball konnte Hertha-Keeper Stuhr-Ellegaard gerade noch an die Latte lenken (17.).Mit Björn Brunnemanns Einwechslung zur Pause wurde die Rot-Weiß-Offensive deutlich belebt. Hertha fiel von einer Verlegenheit in die andere. "Wir bekamen von Erfurt gezeigt, wie man männlich-harte Zweikämpfe führt", erkannte Coach Karsten Heine später an.Seine zuvor in sechs Duellen in Folge unbezwungenen Youngster deuteten nur ansatzweise ihr gepflegtes Kombinationsspiel an. Vor allem, weil die Rot-Weißen schon den Spielaufbau aggressiv störten (Pätz). Ronny Hebestreit hatte bei seinem sehenswerten Kopfball, der vom Innenpfosten aus dem Tor sprang, noch Pech (60.). Kurz darauf machte es Sturmpartner Joe Mensah besser, als er einen Hebestreit-Pass erlief, Lukimya abschüttelte und per trockenem Flachschuss vollendete (65.).Als Herthas Dejagah die Nerven verlor und Nowak umtrat, schien der Sieg in Überzahl nur noch Formsache. Doch wieder ließen die Erfurter eine Reihe guter Gelegenheiten ungenutzt, ehe Brunnemann in der Schlussminute für die Erlösung sorgte. Erneut hatte Hebestreit einen Pass in die Tiefe gespielt und der Torschütze düpierte die Berliner Abwehr "frech wie Oskar". Mit seinem fünften Saisontreffer zog er gegenüber dem verletzten Pavel David in der internen Wertung wieder in Führung. "Mal sehen, wie weit wir uns pushen", blickte er optimistisch nach vorn.Das kann auch Dirk Orlishausen. Zwar erklärte Dochev, dass Ratajczak nun nicht abgeschrieben sei. Doch nach seinem Debüt dürfte der 1,96-Mann seinen Stammplatz erst einmal sicher haben. So schnell kann es gehen.


Trainerstimmen

Heine (Hertha): "Gratulation an Erfurt. Der Sieg war verdient und geht in Ordnung. Meine Mannschaft konnte nicht an die bisherigen guten Leistungen anknüpfen. Erfurt hat uns in den Zweikämpfen den Schneid abgekauft. Nur Spielen geht eben nicht, da fehlte die Durchschlagskraft. Die Niederlage wirft uns aber nicht um."

Pavel Dotchev (FC Rot-Weiß Erfurt): "Wir haben verdient gewonnen. Die drei Punkte waren sehr wichtig, um Luft nach unten zu bekommen. Wir haben zwar manchmal noch zu hektisch agiert, dennoch bin ich mit der Leistung der Mannschaft sehr zufrieden. Die Neuen Orlishausen und Stark haben gut gespielt."


Statistik

FC Rot-Weiß Erfurt: Orlishausen - Six (46. Brunnemann), Bertram, Holst, Nowak - Stark, Pätz, Gruev (53. Weis), Onwuzuruike - Hebestreit, Mensah (83. Kacani)

Hertha BSC II: Stuhr-Ellegard - Krecidlo, Lukimya, Müller, Wallschläger - Schmidt, Chahed (46. Ede), Dejagah, Hoeneß - Salihovic (46. Ebert) - Covic (63. Hube)

Tore: 1:0 Mensah (65.), 2:0 Brunnemann (90.)

Zuschauer: 2.530

Schiedsrichter: Gerber

rote Karte: Dejagah (67./Hertha) grobes Foul

Gelbe Karten: J. Nowak, Six - Chahed, Covic, Krecidlo, Salihovic


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