06. Lübeck-RWE

VfB Lübeck - FC Rot-Weiß Erfurt 2:1

So schnell kann sich das Blatt wenden. Vor einer Woche gelang dem FC Rot-Weiß gegen Emden in der Nachspielzeit der umjubelte Siegtreffer. In Lübeck verloren die Erfurter nun in der letzten Minute noch mit 1:2.
Der Ausgang war mehr als unglücklich, denn über weite Strecken der Partie konnten die Erfurter mit dem favorisierten Spitzenreiter mithalten. Erst in der 90. Minute fiel das entscheidende Tor. Lübecks Möckel kam bei einem Laufduell mit Rico Kühne im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Henschel wertete den Körpereinsatz des rot-weißen Linksverteidigers als Foul und zeigte auf den Punkt. Der angeblich Umgestoßene ließ sich diese Chance nicht entgehen und traf zum 2:1-Endstand.


Ein Treffer zum Schluss. Genau so begann das Spiel auch. Exakt sechs Sekunden brauchte Lübeck für den ersten Eckball. Ein langer Ball vom Anstoßpunkt und Kühne köpfte ins Toraus. Hirsch trat die Ecke an, Dogan ging hoch, köpfte, Tor, 1:0 nach gerade mal 46 Sekunden. Schockiert und erschrocken präsentierten sich die Erfurter in der ersten Viertelstunde. Die Hansestädter dagegen spielten bei sommerwarmen Temperaturen puren Offensivfußball."Wir konnten uns anfänglich von dem Druck einfach nicht befreien", analysierte ein verärgerter Trainer Pavel Dochev, der sich den Spielanfang ganz anders vorstellte. Die Lübecker, die durch den Dreiersturm Neitzel, Bärwolf und Kampf immer gefährlich waren, nahmen nach der furiosen Startphase den Druck etwas heraus. Dadurch kamen die Rot-Weißen nach 20 Minuten zunehmend besser ins Spiel. Und Pavel David besaß die Riesenchance zum 1:1. Alex Schnetzler bediente den Tschechen von der rechten Seite, doch dieser strauchelte im Torwartraum und versiebte die erste "Hundertprozentige" (35.). "Den hätte ich reinmachen müssen", sagte David nach dem Spiel selbstkritisch.Genauso war der Stürmer nur drei Minuten später erneut im Blickpunkt. Aus spitzem Winkel hämmerte er den Ball an den Pfosten.

Aber auch auf der Gegenseite war Chancen-Auslassen angesagt. Der Ex-Erfurter Neitzel köpfte aus sechs Metern völlig freistehend den Ball knapp neben das Tor (42.). "Da war ich etwas zu blind", so der Stürmer, der diese Saison schon drei Tore erzielen konnte. Einen weiteren Treffer hatte der 28-Jährige auf dem Fuß. Doch nach einer schönen Einzelleistung schoss der Blondschopf das Leder freistehend ans Außennetz (54.).Das war bereits die Möglichkeit zu erneuten Führung gewesen. Denn vier Minuten nach Wiederanpfiff kamen die Thüringer an der Lohmühle zum verdienten Ausgleich. Henry Onwuzuruikes gezielter Schuss aus dem Hinterhalt konnte Lübecks Torwart Frech nicht richtig festhalten und Brunnemann staubte mit seinem vierten Pflichtspieltor in dieser Saison ab (49.).Da war die Welt der 200 mitgereisten Erfurter Fans längst wieder in Ordnung, die mit der Zeit eine immer sichere eigene Mannschaft beobachten konnten. Und so wagte sich der Außenseiter erneut vor das Tor der Lübecker. Doch ein toller Kopfballtreffer von Ronny Hebestreit wurde die Anerkennung versagt. "Das war nie und nimmer Abseits", meinte der Kapitän, der in jener 70. Minute von Ilia Gruev mustergültig bedient worden war. Doch langes Hinterhertrauern nutzte nichts.

Die Rot-Weißen kämpften aufopferungsvoll um den Punkt. Aber dann kam die letzte Minute - und mit ihr die Enttäuschung über die vermeidbare Niederlage.Während Dochev gleich nach dem Schlusspfiff seinem Ärger gegenüber dem Schiedsrichter Luft machte ("Das war nie und nimmer ein Elfer"), freute sich VfB-Trainer Stefan Böger über den erfolgreichen Ausgang des "harten Stücks Arbeit". Der Ex-Jenaer meinte: "Im vorigen Jahr hätten wir so ein Spiel remis beendet", verwies er auf seine fast makellose Bilanz - 19 von 21 möglichen Punkten - im bisherigen Saisonverlauf.Die Rot-Weißen dagegen kehrten auch von der dritten Auswärtsfahrt mit leeren Händen zurück und verbleiben auf dem neunten Tabellenplatz. Das soll sich trotz der bitteren Schlussminute von Lübeck am kommenden Samstag gegen Fortuna Düsseldorf (14 Uhr) möglichst ändern. Denn wenn es in fremden Gefilden nicht klappt, müssen eben im Steigerwaldstadion die nächsten Punkte her.Und wenn es sein muss, auch in der 90. Minute.

Trainerstimmen

Böger (Lübeck): "Ich bin glücklich über die drei Punkte. Es war ein hartes Stück Arbeit, denn Erfurt hat sich teuer verkauft und einige gute Spieler in seinen Reihen. Meine Mannschaft zeigte heute zwei Gesichter. 20 Minuten lang spielten wir hervorragend, dann verloren wir den Faden."

Pavel Dotchev (FC Rot-Weiß Erfurt):
"Wir hätten einen Punkt verdient gehabt. Vorwerfen kann ich meiner Mannschaft nur, dass sie in den ersten 20 Minuten quasi gar nicht auf dem Platz war. Der Elfer kurz vor Schluss ist natürlich sehr ärgerlich."


Statistik

VfB Lübeck: Frech - Türkmen, Schröder, Hirsch, Dogan - Mbidzo, Kullig (74. Hesse), Möckel - Neitzel (71. Schweinsteiger), Bärwolf (52. Thomas), Kampf

FC Rot-Weiß Erfurt: Ratajczak - Schnetzler, Holst, Bertram, Kühne - Brunnemann, Pätz (90. Fischer), Gruev (85. Novak), Onwuzuruike - David (83. Anicic), Hebestreit

Tore: 1:0 Dogan (1.), 1:1 Brunnemann (49.), 2:1 Möckel (89./ Foulelfer)

Zuschauer: 6.000

Schiedsrichter: Henschel


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