02.St.Pauli-RWE

FC St. Pauli - FC Rot-Weiß Erfurt

Viel fehlte nicht zur Überraschung. Beim FC St. Pauli verkaufte sich der FC Rot-Weiß gestern teuer, fuhr durchdas 0:1 jedoch ohne Belohnung nach Hause. Deftig wurde der FC Rot-Weiß auf St. Pauli empfangen. Mit lauten Gesängen der Paulianer, die fast ausschließlich zu Fuß oder mit dem Rad ins Stadion gekommen waren und sich fast alle mit Currywurst gesättigt und mit Bier in die richtige Stimmung gebracht hatten.

Beim Blick in die Stadionzeitung wurde auch den Erfurtern schnell klar, dass sie kein alltägliches Spiel absolvieren mussten, sondern dieses hundert Meter entfernt von der Reeperbahn austrugen. "Puffbohnen in der Puffzone", hieß die große Überschrift auf Seite 1 der Stadionzeitung "Viva". Weiter unten wurden die einheimischen Kicker animiert: "Gegen Erfurt wollen wir einen Stein ins Rollen bringen, der nicht mehr aufzuhalten ist und möglichst mit dem Aufstieg in der zweiten Bundesliga endet."

Ca. 700 RWE-Fans hatten sich auf den weiten Weg nach Hamburg gemacht. Sie leisteten mit ihren Dauer-Support einen ordentlichen Beitrag zur Gänsehaut-Atmosphäre am Millerntor.



 

Doch der FC Rot-Weiß hielt von der ersten Minute an sehr gut dagegen. In der Anfangsaufstellung vom Köln-Heimspiel beginnend, ließen die Erfurter keinen Druck der Gastgeber zu. Und sie versuchten dabei auch selbst, mutig nach vorn zu spielen. Viel lief im Mittelfeld über Gruev. Und der oft bei Standards aufrückende Bertram verfehlte per Kopf das Ziel (14.). Auf der anderen Seite musste Keeper Ratajczak nur selten bange sein. Vor allem war das der Fall, als ein Schuss von Boll (25.) an die Latte klatschte. Aber ansonsten bestimmte Rot-Weiß sogar über weite Strecken der ersten Halbzeit bei strömendem Regen die Partie.

"Wir haben uns hier nicht versteckt", sagte Trainer Pavel Dochev nach dem Spiel. Er hatte im Vorfeld gefordert, die Hamburger in deren Hälfte zu beschäftigen und nicht nur vorm eigenen Strafraum zu verteidigen. Gegenüber dem Köln-Spiel stand auch die Abwehr besser. Sie lieferte damit ein Argument, keinen weiteren Verteidiger zu verpflichten. Die avisierte Rückkehr von Björn Laars scheint aber ohnehin kein Thema mehr zu sein. Der 30-Jährige gab gestern in Babelsberg bekannt, dass er seinen Vertrag beim Oberligisten erfüllen wird. Das bestätigte auch Dochev: "Laars hat bei mir abgesagt."



 

In der zweiten Halbzeit sah der Bulgare gestern einen stärker werdenden Gegner, bei dem Shubitidze stets gefährlich war. Sein Flachschuss strich knapp am langen Eck vorbei (54.). Was aufs Tor kam, meisterte Rataj-czak. Bei dem 23-Jährigen war nichts zu spüren von Nervosität nach seinen Patzern gegen Köln. So hielt er unter anderem gegen den durchgebrochenen Meggle (63.). Wenig später war er aber machtlos. Nach einer Ecke stieg Luz am höchsten und köpfte zur umjubelten Führung ein (67.).

"Das war ein klarer Fehler von mir. Das hätte nicht passieren dürfen", meinte Holst nach der Begegnung selbstkritisch. In der Endphase entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Mehr als ein am Außennetz landender Schnetzler-Schuss sprang jedoch nicht heraus. Der Außenverteidiger haderte später mit sich und dem Ergebnis: "Wir hatten eigentlich alles gut weggesteckt - die Kulisse, den Druck von St. Pauli und einige Fehler. Schade, dass es nicht gereicht hat." Aber der Auftritt bewies aus seiner Sicht: "Unsere Truppe hat Potenzial."



 

Kapitän Hebestreit sah es ähnlich: "Wir hatten den Gegner eigentlich im Griff gehabt." Und er blickte schon voraus. "Wir müssen lernen, in der Defensive kompromissloser zu werden." Allerdings war gestern das Manko, dass sich die Rot-Weißen zu wenige Möglichkeiten herausarbeiteten. Am gegnerischen Strafraum war meist Endstation.

Das ärgerte auch Manager Stephan Beutel, der rund sechs Jahre bei St. Pauli gearbeitet hatte. Seine jetzige Mannschaft fuhr gleich nach dem Abpfiff nach Hause. Auch ein Abstecher auf die Reeperbahn blieb aus. Der Samstag ist schließlich nicht weit.



 

Trainerstimmen

Bergmann (St. Pauli): "Ich bin zufrieden, dass wir nach zwei Spielen sechs Punkte haben. In der ersten Halbzeit haben wir nicht so gut gespielt und auch den Gegner kaum unter Druck gesetzt. Nach dem Wechsel wurden wir mutiger. Wir tun uns aber noch sehr schwer und haben viel Arbeit vor uns."

Pavel Dotchev (FC Rot-Weiß Erfurt): "Ich kann meiner jungen Mannschaft eine gute Leistung bescheinigen. Beide Teams haben mit viel Tempo gespielt. Ärgerlich, dass das Gegentor nach einem Standard gefallen war. Jetzt gilt: Kopf hoch und weiter arbeiten."


Statistik

FC St. Pauli: Hollerieth - Gunesch, Morena, Eger, Joy - Tornieporth, Boll, Meggle, Arifi - Shubitidze, Wojcik - Trainer: Bergmann

FC Rot-Weiß Erfurt: Ratajczak - Schnetzler, Bertram, Holst, Six - Brunnemann, Pätz, Gruev, Onwuzuruike - David, Hebestreit - Trainer: Dotchev

Tore: 1:0 Luz (67.)

Eingewechselt: 39. Luz für Tornieporth, 65. Schultz für Boll, 82. Adrion für Wojcik - 75. Mensah für Brunnemann, 75. Anicic für Pätz, 82. Fischer für Six

Schiedsrichter: Rafati

Zuschauer: 16.995 (ca. 700 RWE)

Gelbe Karten: Joy, Schultz - Bertram, Pätz, Schnetzler, Onwuzuruike


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