24.RWE-J***

FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:3

Dem FC Carl Zeiss gelang gestern eine eindrucksvolle Revanche für die 0:3-Pleite im Hinspiel. Die Jenaer gewannen erstmals seit April 2006 ein Derby gegen Erfurt - selbst das 3:0 war vollauf verdient. Die Partie wurde von Randalen überschattet.

"Wir haben die Schanuze voll", riefen die Erfurter. "Die Nummer 1 sind wir", skandierten die Jenaer: Unterschiedlicher hätte die Stimmungslage nach dem 114. Thüringenderby nicht sein können. Carl Zeiss jubelte, Rot-Weiß trauerte.

Weil zur eigentlichen Anstoßzeit um 19 Uhr noch zahlreiche Besucher vor den Stadiontoren standen, begann die Partie mit zehnminütiger Verspätung. Ehe der Ball jedoch rollte, brannten die Fans in beiden Kurven bengalische Feuer ab und zündeten Feuerwerkskörper. Und es dauerte auch nur drei Minuten bis zum ersten Paukenschlag auf dem Spielfeld. Da war Smeekes der Rot-Weiß-Abwehr um den ausrutschenden Möckel entwischt und hatte Orlishausen per Heber überwunden.

Der frühe Treffer stärkte das Selbstbewusstsein der Jenaer nochmals. Mit 13 Punkten aus den fünf vorangegangenen Spielen auf dem Konto waren sie ohnehin als Favorit ins 114. Thüringenderby seit 1906 gegangen. Und so trat Carl Zeiss in der Folge auch auf. Fast immer einen Tick schneller kamen die Gäste immer wieder gefährlich über die Außen. Benyamina verpasste nach einer Viertelstunde noch die Großchance zum 2:0, als er am leeren Tor vorbeischob. Besser machte es Hähnge nach einer Nagy-Ecke: Nachdem Orlishausen den Ball verfehlt hatte, stand der Routinier am langen Pfosten völlig ungedeckt und schoss ein (28.).

Die Erfurter, die nach zwei Niederlagen ohne eigenen Treffer zum 4-4-2-System zurückgekehrt waren, mühten sich zwar redlich. Doch entscheidend durchsetzen konnten sie sich nicht. Die Hinspiel-Torschützen Kammlott und Semmer waren ebenso abgemeldet wie Rockenbach, dessen Einsatz bis kurz vor dem Spiel wegen einer Sprunggelenk-Verletzung fraglich gewesen war. Der für den gesperrten Malura ins Team gerückte Handke schied wegen einer Zerrung nach nicht einmal einer halben Stunde aus. Jenas Trainer van Eck hatte keinen Grund, seine Erfolgsformation der vergangenen Wochen zu verändern. Lediglich Schmidt (fünfte Gelbe Karte) wurde durch Truckenbrod ersetzt.

Ob der Überlegenheit des Erzrivalen, die auch das 5:0-Eckenverhältnis belegte, verließen schon zahlreiche Erfurter Fans zur Halbzeit das Stadion. Sie dürften froh gewesen sein, da sie sich das 0:3 durch Benyamina nicht mehr anschauen mussten. Verärgert, weil Schiedsrichter Cortus eine Verletzung Pohls nicht beachtet hatte, und aus Frust über die Leistung ihrer Mannschaft flogen aus der rot-weißen Fankurve erneut Böller. Der Referee unterbrach das Duell, setzte es nach Intervention beider Teams jedoch fort.

Weil auf dem Platz trotz Stenzels Lattenschuss (75.) alles entschieden war, richtete sich der Unmut der Erfurter gegen den Sportchef: Mit Hörgl raus-Rufen und Ohne Hörgl habt ihr keine Chance forderten sie dessen Rauswurf. Die Jenaer Anhänger ließen dagegen ihre Akteure hochleben. Nach dem gestrigen Spiel und dem Blick auf die Tabelle völlig zu Recht. Während Carl Zeiss nun ernsthaft vom Aufstieg träumen darf, hat für die Landeshauptstädter der Kampf um den Klassenerhalt endgültig begonnen. Ab jetzt geht es um die Existenz ob mit oder ohne Hörgl.

Ein massives Polizeiaufgebot mit mehreren hundert Polizeikräften hat am Mittwochabend in Erfurt das Thüringer Lokalderby gesichert. Zudem Spiel zwischen Rot Weiß Erfurt und dem FC Carl-Zeiss-Jena waren laut Polizei aus Jena und Erfurt jeweils 80 gewaltbereite Hooligans der extremsten Kategorie "C" angereist. Zudem registrierten die Sicherheitskräfte auf Erfurter Seite 300 und auf Jenaer Seite 170 Fans der Kategorie "B". Diese gelten vor allem in der Gruppe und mit Alkohol als aggressiv.

Laut Polizei hatte es bis zum Spielende keine dramatischen Vorfälle gegeben. Wegen der Anreise der Jenaer Fans mit mehreren Zügen waren allerdings der Erfurter Hauptbahnhof und einige Zufahrtsstraßen im Berufsverkehr gesperrt gewesen. Das hatte zu massiven Verkehrsbehinderungen geführt, da auch das Gros der Erfurter Straßenbahnen nicht fahren konnte. Rund um den Bahnhof war es vereinzelt zu Rangeleien zwischen Fangruppen und der Polizei gekommen. Den Beamten gelang es aber immer, beide Lager zu trennen.

Massive Probleme während des Spiels aber auch schon am Bahnhof bereitete der Einsatz von Feuerwerkskörpern auf beiden Seiten Sorgen. In der zweiten Halbzeit musste das Spiel wegen des Abbrennens von Bengalfeuern in der Fankurve zudem unterbrochen werden. Die Kontrolle der Zuschauer sei extrem schwierig, sagte Polizeisprecher Manfred Etzel. Teilweise würden die Feuerwerkskörper im Intimbereich ins Stadion geschmuggelt. Für die Einlasskontrolle sei der Sicherheitsdienst des einladenden Klubs zuständig, fügte er an. Dieser werde aber von der Polizei unterstützt.

Für die Heimreise der Jenaer Fans hatte die Bahn nach Spielende einen Sonderzug mit insgesamt 1200 Plätzen bereitgestellt. Die Absicherung der Zugfahrt ist Aufgabe der Bundespolizei. Diese übernimmt die gewaltbereiten Fangruppen am Bahnhof von den übrigen Einsatzkräften. Um das Spiel abzusichern waren neben den Thüringer Beamten auch Einsatzzüge aus Bayern, Hessen sowie Brandenburg in Erfurt.



Trainerstimmen

René van Eck (Jena): "Wir wollten von Beginn an Druck und ein frühes Tor machen. Das ist uns gelungen. Aber wir haben uns dann offensiv mit der Aufteilung etwas schwer getan. Dafür stand die Abwehr gut. Man hat gemerkt, dass die Mannschaft heute etwas erreichen wollte. Wir sind einen Schritt weitergekommen."

Rainer Hörgl (FC Rot-Weiß Erfurt): "Der erste Jenaer Angriff führte gleich zum 0:1. Dann kam es, wie es kommen musste. Wir waren bemüht, aber die finale Aktion hat gefehlt. Nach dem 0:2 durch einen Standard war es schwer für uns. Wir haben phasenweise versucht, dagegenzuhalten. Aber die Mittel waren nicht da. Wir machen eine schwierige Pahse durch."



Statistik

FC Rot-Weiß Erfurt: Orlishausen Handke (26. Stenzel), Pohl (58. Humbert), Möckel, Ströhl (53. Pagenburg) Becker, Bölstler, Rockenbach, Hillebrand Semmer, Kammlott.

J***: Nulle Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat, Nagy Gardawski, Truckenbrod, Kühne, Benyamina Smeekes (89. Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)

Tore: 0:1 Smeekes (3.), 0:2 Hähnge (28.), 0:3 Benyamina (56.)

Zuschauer: 12.435

Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)


Quelle: www.thueringer-allgemeine.de



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