Pokal-RWE-Ahlen

DFB-Pokal FC Rot-Weiß Erfurt - LR Ahlen 2:1 n. V.

"Wir fahren nach Berlin" stimmten die Rot-Weiß-Fans vor dem Anpfiff an. Nach dem Abpfiff klangen die Worte noch viel lauter. Mit einem 2:1-Erfolg über Ahlen erreichte der Regionalligist gestern die zweite Runde im DFB-Pokal.

Stephan Beutel ist ein gepflegter Mann. Er achtet auf sein Äußeres, bevorzugt aktuell-modische Kleidung. Gestern Abend, eine gute halbe Stunde vor dem Anpfiff, wechselte der Rot-Weiß-Manager noch einmal Hemd und Hose. Nichts Ungewöhnliches bei deutlich über 20 Grad. Doch trotz sommerlicher Temperaturen holte er noch die schwarze Lederjacke aus dem Schrank. "Mein Glücksbringer", so der 39-Jährige.




 

Ohne zu frieren, erlebte er dann von der Tribüne aus einen konzentriert ins Spiel gehenden FC Rot-Weiß, der zum fünften Mal in Folge mit der gleichen Anfangsformation auflief. Im Kampf um Punkte hatte der Club überzeugende Auftritte im Steigerwaldstadion hinter sich, nun sollte die Heimstärke auch in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den Zweitligisten unter Beweis gestellt werden. Zumal die wieder gegen den Abstieg kämpfenden Ahlener in dieser Saison noch keinen Zähler geholt haben.

In den ersten zwanzig Minuten tat sich wenig auf dem gepflegten Rasen. Die Gäste waren optisch überlegen, ohne aber besondere Gefahr auszustrahlen. Das Bemerkenswerte bis dahin war ein Schuss von Six, der Ball flog aber abgefälscht ins Aus. Das Niveau der Partie war nicht hoch, es verbesserte sich auch nur unwesentlich nachdem kurz vor 20 Uhr die Flutlichter eingeschaltet worden. Doch die Westfalen besaßen noch eine große Möglichkeit vor dem Wechsel. Mit toller Parade lenkte RWE-Torwart Ratajczak, der im Sommer aus Ahlen gekommen war, einen Freistoß von Racanel an die Latte (37.).




 

Ähnliches versuchte nach der Pause Gäste-Torhüter Borel im Anschluss an eine Flanke von David. Doch er streckte sich vergeblich nach dem erstklassigen Kopfball von Kapitän Hebestreit. Nicht nur wegen dieses Treffers dürfte die Kritik am ehemaligen Bremer auch nach dem Gastspiel in Erfurt nicht verstummen. Doch seine Mitspieler reagierten schnell. Nach Eingabe von Ketelaer war Paulinho erfolgreich - ebenfalls per Kopf. Danach drückte die Mannschaft von Trainer Straka und erarbeitete sich Chancen. Svitlica scheiterte am starken Ratajczak, Thioune schoss übers Tor (69.). Und bei Standards tummelten sich manchmal gleich zwölf (!) Spieler im Erfurter Fünfmeterraum.




 

Doch als Paulinho gelb-rot-gefährdet vom Platz musste, gab es einen Bruch im Spiel der Gäste. Die Rot-Weißen wurden danach mutiger. Auch Trainer Dochev, der mit Fischer einen weiteren Stürmer brachte. Bis zum Ende der regulären Spielzeit passierte auf beiden Seiten aber nichts Aufregendes mehr.

Und auch in der Verlängerung suchten die Kontrahenten nicht mit vollem Risiko die Entscheidung. Der Torschrei lag nur den Ahlenern auf den Lippen als Djenic´ Kopfball an die Latte (105.) sprang. Nach dem erneuten Wechsel deutete dann vieles auf ein Elfmeterschießen hin. Doch Brunnemann verhinderte das. Ein 40-m-Schuss des Mittelfeldmannes landete im Ahlener Tor. Zur Überraschung von Borel, zum Entsetzen der Gäste, zur Freude der Rot-Weißen. Als der Abpfiff ertönt war, schwenkte auch Manager Stephan Beutel jubelnd seine schwarze Jacke.




 

Trainerstimmen

Dotchev (FC Rot-Weiß Erfurt): "Von der ersten Minute an haben wir sehr konzentriert gespielt. Das 2:1 von Brunnemann war ein traumhaftes Tor. Der Sieg geht in Ordnung. Wir hatten noch mehrer gute Kontergelegenheiten. Wir sind an die Grenzen gegangen. Finanziell war das Weiterkommen sehr wichtig."

Straka (Ahlen): "Das Aus ist sehr bitter und schmerzhaft. Wir hatten genügend Chancen, das Spiel zu entscheiden. Das 2:1 fiel aus dem Nichts."




 

Statistik

FC Rot-Weiß Erfurt: Ratajczak - Schnetzler, Bertram (100. Nowak), Holst, Six - Brunnemann, Pätz, Gruev (80. Fischer), Onwuzuruike - Hebestreit, David (119. Scherer)

LR Ahlen: Borel - Langeneke, Djenic, Asanin, Fengler - Bamba, Keidel, Paulinho (74. Patschinski), Ketelaer - Thioune, Racanel (58. Svitlica/91. Kaluzny)

Tore: 1:0 Hebestreit (53.), 1:1 Paulinho (57.), 2:1 Brunnemann (115.)

Zuschauer: 3.882



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