33.RWE-Saarbrücken

FC Rot-Weiß Erfurt - 1. FC Saarbrücken 2:1

Riesenjubel in Thüringen: Der FC Rot-Weiß Erfurt steigt in die 2. Fußball-Bundesliga auf. Sie gewannen am Sonnabend das Spitzenspiel der Fußball-Regionalliga Süd gegen den 1. FC Saarbrücken mit 2:1. Mit 55 Punkten sind die Erfurter einen Spieltag vor Saisonschluss nicht mehr von Platz zwei hinter dem nicht aufstiegsberechtigten Staffelsieger Bayern München Amateure zu verdrängen. Um den zweiten Aufstiegsrang kämpfen am nächsten Sonnabend noch sechs Mannschaften.
Vor der Saisonrekordkulisse von 20 000 Zuschauern schossen René Müller und Ronny Hebestreit die Erfurter Tore. Echendu Adiele glich für die sich in der zweiten Halbzeit steigernden Gäste zwischenzeitlich aus.
Der eigene 2:1-Erfolg über den 1. FC Saarbrücken und die gleichzeitigen Niederlagen von Augsburg und Wehen im Kampf um die beiden Aufstiegsplätze beseitigten die letzten Zweifel, ließen den Schlusspfiff in einem rot-weißen Meer des Jubels untergehen. Gefeiert wurde in Erfurt bis in den Sonntag hinein.




 

Es war ein Sieg der Moral über einen lange gleichwertigen, im zweiten Spielabschnitt sogar über weite Strecken das Geschehen beherrschenden Kontrahenten. Dabei profitierten die Gastgeber von ihrem frühen Führungstreffer (7.), den Müller nach schöner Vorarbeit des Tandems Klingmann-Richter in klassischer Abstaubermanier erzielt hatte. Die Saarländer brauchten danach einige Zeit, um Ordnung in ihre Reihen zu bekommen, wurden in der Folge aber zusehends stärker.
Da musste die Rot-Weiß-Mauer zunächst einen Freistoß Nehrbauers abblocken (13.) und wenig später Twardzik einen Schuss von Thiebaut parieren (15.). Noch einmal war es dann Thiebaut, der nach einem schönen Kombinationszug den abschließenden Kopfball aus drei Metern knapp neben den Pfosten setzte (23.). Dagegen nahm sich die einzige von Hebestreit ebenfalls aus Nahdistanz vergebene Chance der Rot-Weißen in dieser Phase (27.) eher bescheiden aus.
Der zweite Abschnitt stand zunächst weiter im Zeichen der technisch guten Saarländer, die mit einer kaum unterbrochenen Dauer-Offensive auf den Ausgleich drängten. Der fiel durch den nach einer ganzen Serie turbulenter Szenen im Erfurter Strafraum die Übersicht behaltenden und aus Nahdistanz einschiebenden Adiele (63.). In dieser Phase hing ein Punktgewinn der Erfurter an dem berühmten "seidenen Faden" und ein weiteres Gästetor ständig in der Luft.




 

Ein von Twardzik im großen Stil gehaltener Nahdistanzschuss Nehrbauers (70.) und eine Reihe weiterer Glanzparaden des als einer der wenigen Rot-Weißen die Übersicht behaltenden Torwarts verhinderten weitere Gegentreffer. Beschwörende "Rot-Weiß"- Sprechchöre von Rängen und Tribüne und eine Straffung der davon sichtlich beeindruckten Erfurter Akteure waren ausschlaggebend für die - aus Sicht der Gastgeber - Wende zum Guten. Zum Matchwinner wurde schließlich wieder einmal Hebestreit, der zunächst einen Ball über das vom Gästekeeper Eich verlassene Tor hob (74.), runde fünf Minuten später aber einen Schuss Zedis geschickt und für den bereits auf die andere Ecke seines Gehäuses reagierenden Torwart unhaltbar ins Netz abfälschte (79.). Es war die Entscheidung, denn danach brauchten sich die Rot-Weißen gegen die nun spürbar resignierenden Saarländer nur noch auf die Absicherung ihres Erfolges zu konzentrieren. Nach dem Abpfiff überschwemmte eine rot- weiße Welle des Glücks den Rasen, standen Trainer Renné Müller und seine Spieler im Mittelpunkt der Ovationen. Gerechter Lohn für ein Team, dessen Spieler während der Saison nicht zu negierende eigene Schwächen mit großer Laufbereitschaft und Einsatzfreude ausgeglichen hatten.




 

Statistik

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Fall, Laars, Richter, Klingmann (83. Okic) - Glöden, Zedi, Straub - Hopp (60. Neitzel), Hebestreit - Müller (58. Kresin)

1.FC Saarbrücken: Eich - Rozgonyi, Holz, Echendu, Heeren - Örtülü (82. Ölkuch), Nehrbauer (82. Tarillon), El Idrissi, Caruso (69. Stoff) - Thiebaut, Hagner

Tore: 1:0 Müller (7.), 1:1 Echendu (63.), 2:1 Hebestreit (81.)

Zuschauer: 20.000

Schiedsrichter: Perl (München) - Salver,Greth




 

Das Wunder von Erfurt

Wunder gibt es immer wieder. Vielleicht ist das Wort deshalb ein wenig überstrapaziert. Erst recht im Sport, da reicht manchmal schon ein unerwartetes Ergebnis für den Gebrauch der sechs Buchstaben aus. Der Aufstieg des FC Rot-Weiß ist allerdings ein Wunder.

Denn noch vor einem Jahr stand der Verein am Abgrund. Perspektivlos, konzeptionslos, mittellos. Für den Wandel sorgte René Müller, der mit neuen Leuten neue Ziele ansteuerte. Eine Garantie für den Aufstieg konnte das aber niemals sein, zumal die Namen der verpflichteten Spieler eher Buchstabieren statt Zungeschnalzen auslösten. Und die Saison zeigte schließlich auch, dass der Club fußballerisch sicherlich nicht viel besser als notleidende Vereine wie Schweinfurt, Stuttgart oder Feucht war. Doch Erfurt erreichte fast immer das Limit.

Der sportliche Erfolg und die bescheidene Außendarstellung bewirkten innerhalb weniger Monate einen Imagewechsel in ganz Thüringen. Gemeinsam mit den begeisterten Anhängern, von denen viele anscheinend nur aus dem Tiefschlaf geweckt werden mussten, ist das eine glänzende Grundlage für die 2. Bundesliga. Doch Stillstand bedeutet Rückschritt. Und so sind für den Erhalt des Profifußballs nun noch mehr als früher Wirtschaft und Politik gefordert. Denn Wunder halten nicht unendlich an




 

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