32. Schweinfurt-RWE

1. FC Schweinfurt - FC Rot-Weiß Erfurt 1:1

Auf dem Weg in Liga zwei ließ sich der FC Rot-Weiß auch von der besten Rückrunden-Mannschaft nicht aufhalten und blieb beim 1:1 zum fünften Mal in Folge unbesiegt. Ein Bericht aus Schweinfurt, wo 3000 Thüringer Fans für Heimspiel-Atmosphäre gesorgt haben.
"Aufsteiger, Aufsteiger", skandierte die rot-weiße Wand lautstark. Die Fans feierten ihr Team nach dem Schlusspfiff wie einen Sieger und ließen nach dem 1:1 vor allem den Trainer hochleben. "René Müller, du bist der beste Mann", schallte es durch das altehrwürdige Willy-Sachs-Stadion. Und während der Coach sogar auf den Zaun kletterte, um sich für die tolle Unterstützung zu bedanken, blickten die verbliebenen Schweinfurter Anhänger ungläubig in die Kurve. So etwas hatten sie noch nicht erlebt.




 

Unbändige Freude beim Torschützen Müller und Hebestreit.

Auch das Duell hielt, was die Rückrundentabelle versprochen hatte. Rassige Zweikämpfe, gute Chancen, schöne Spielzüge. "Es war ein Spitzenspiel", sah sich Rot-Weiß-Trainer Müller bestätigt. Sein Team übernahm sofort die Initiative. Sechs Möglichkeiten in der ersten halben Stunde drückten die klare Überlegenheit aus. Doch sowohl der überragende Müller noch Hebestreit oder Richter nutzten die besten davon. Schweinfurt, das sich auf körperbetontes Verteidigen und kompromisslose Schläge in die Spitze beschränkte, zeigte sich weitaus effektiver. Brendel verwertete die einzige echte Chance zum überraschenden 1:0 (23.).
Vorausgegangen war ein Ballverlust von Klingmann an Gorgiev, bei dessen Flanke auf den kurzen Pfosten der Torschütze schneller reagierte als Twardzik und Richter. Durch diese Fehler in der Spieleröffnung (auch von Richter und Fall) bauten die Erfurter den Gegner auf. In dieser Phase gewann Schweinfurt den Großteil an Zweikämpfen, dezimierte sich allerdings selbst. Kolinger stieß Müller nach dessen Gerangel mit Boden um und sah Rot (30.). Hart, aber vertretbar.




 

Doch dieser personelle Vorteil schadete den Rot-Weißen kurioserweise. Der Angriffselan war plötzlich verschwunden. Ideenlos rannten sie gegen das massive Abwehrbollwerk an. Statt das Spiel über die Flügel aufzureißen versuchten sie es ständig durch die Mitte. "Damit haben wir es den Schweinfurtern einfach gemacht", kritisierte Müller. Denn gerade in der Luft waren seine "großen Kerle" (Hebestreit, Glöden) überlegen. Aber diese Dominanz blieb ohne verwertbare Flanken letztlich wertlos.
Das änderte sich auch im zweiten Durchgang, als Neitzel und Nicu die Offensive verstärkten, nur selten. Wie beim Handball spielte Rot-Weiß um den Strafraum herum, suchte aber vergeblich eine Lücke. Auch die vielen Ecken (insgesamt: 10:2) brachten zunächst nichts ein. Zudem zeigten sich die Einheimischen bei ihren Kontern stets gefährlich. Popovic ließ seine Chance aus spitzem Winkel ungenutzt (71.). Drei Minuten später verhinderte Twardzik das 0:2, als er einen 20-m-Freistoß von Beer an den Pfosten lenkte und auch gegen Gerber rettete. Ein Tor hätte den Spielverlauf jedoch auch auf den Kopf gestellt.




 

Björn Laars schirmt den Ball sicher ab.

In der Endphase drängte Rot-Weiß weiter und wurde belohnt. Glödens Kopfball musste Schoppel prallen lassen, Müller stand goldrichtig und staubte in bester Gerd-Müller-Manier ab (83.). Trotz des 16. Saisontreffers seines Namensvetters ging Trainer Müller schnell zur Sachlichkeit über. "Was dieser Punkt wirklich wert ist, wird erst die Endabrechnung zeigen", bremste er erneut die Euphorie. Die Tür zur zweiten Liga sei zwar geöffnet, allerdings müssten noch zwei Schritte getan werden. Auf Grund des besten Torverhältnisses aller Aufstiegskandidaten wäre das große Ziel aber schon bei einem Erfolg am kommenden Samstag gegen Saarbrücken erreicht. Die Wehener, die neben Augsburg ebenfalls noch auf 55 Punkte kommen könnten, müssten nach jetzigem Stand 12 Tore aufholen.
An solchen Hochrechnungen wollte sich im Rot-Weiß-Lager niemand beteiligen. Deshalb ändert Müller auch nichts an der Vorbereitung. Es soll alles genauso wie immer ablaufen. Und damit ist seine Mannschaft bisher auch ganz gut gefahren.




 

Der Torschütze feiert mit den Fans.

Trainerstimmen

Müller (FC Rot-Weiß Erfurt): "Gratulation für Herrn Hörgli. Zum zehnten Mal hintereinander ohne Niederlage. Was dieses 1:1 wert ist, wird man erst am letzten Spieltag sehen. Wir haben nach Schweinfurts Feldverweis zu sehr durch die Mitte gespielt. Gott sei dank ist uns der Ausgleich, wenn auch spät, noch gelungen. Fast 3000 mitgereiste Zuschauer – eine große Sache für Erfurt. Schweinfurt bleibt die beste Mannschaft der Rückrunde. Auf Saarbrücken am kommenden Sonnabend bereiten wir uns ganz normal vor."

Hörgli (Schweinfurt): "Wir müssen mit dem einen Punkt zufrieden sein. Wir sind heute durch die starken Erfurter gefordert worden. Durch die Rote Karte benötigten wir einige Zeit, um uns wieder zu ordnen. Erfurts Überlegenheit im Kopfballspiel bedeutete für uns stets Gefahr. Popovics Riesenchance hätte uns den Sieg noch bringen können. Die Rote Karte war durchaus vertretbar."



Statistik

Tore: 1:0 Brendl (23.), 1:1 Müller (83.)

rote Karte: Kolinger (31./Schweinfurt) Tätlichkeit

FC Schweinfurt 05: Schoppel - Beer - Boden, Trehkopf - Gorgiv (87. Nägelein), Kolinger, Kanyuk, Winter, Lutzler (70. Gerber) - Popovic, Brendl (62. Löhner)

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Fall, Richter (46. Neitzel), Laars, Klingmann - Hopp (56. Nicu), Zedi, Glöden, Hebestreit, Okic - Müller

Zuschauer: 5.570 (davon 3.000 aus Erfurt)

Schiedsrichter: Drees (Mainz)



Angemerkt: Chaoten

"So etwas gab es, meiner Meinung nach, in der Regionalliga noch nie", sagte Rudi Zedi sichtlich beeindruckt. Dass rund 3000 Fans aus ganz Thüringen nach Schweinfurt reisen würden, um den FC Rot-Weiß zu unterstützen, übertraf die kühnsten Erwartungen. Kein anderer Regionalligist mobilisiert momentan die Massen so sehr wie Erfurt.
Das alte Willy-Sachs-Stadion, in dem sonst die Schweinfurter Vereinsfarben Grün und Weiß dominieren, war diesmal in Rot und Weiß getaucht. Die Kulisse sorgte für Heimspiel-Atmosphäre und ein "einmaliges Erlebnis" (René Müller). Doch nicht alles lief reibungslos ab. So wurden 16 Chaoten von der Polizei vorläufig festgenommen, zwei von ihnen waren per Haftbefehl gesucht worden. Bei Rangeleien zwischen einigen Unbelehrbaren und der Polizei trugen zwei Beamte leichte Verletzungen davon. Beschlagnahmt wurden Flaschen und Knallkörper. Trotzdem warfen Rot-Weiß-Anhänger Böller aufs Spielfeld. Einer davon detonierte neben dem Schweinfurter Winter, als dieser einen Eckball ausführte. Zunächst hatte die Polizei berichtet, der Spieler habe dabei einen Hörsturz erlitten. Doch diese Darstellung korrigierten die Beamten nach neuen Ermittlungen am Sonntag.
Rot-Weiß-Fanbetreuer Danilo Knieling bedauerte die vereinzelten Zwischenfälle. Man könne aus seiner Sicht "nicht alles verhindern". Zudem hätte der Weg vom Bahnhof zum Stadion, wo die Probleme auftraten, besser abgesichert sein müssen. Lob erhielten die Erfurter Sicherheitskräfte, die mit nach Schweinfurt gekommen waren, von der einheimischen Polizei. Die gute Zusammenarbeit hätte größere Aus- schreitungen verhindert. Insgesamt hat sich, so der Polizeibericht, "der überwiegende Teil der Gästefans vorbildlich verhalten".



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