32.KSC-RWE

Karlsruher SC - FC Rot-Weiß Erfurt 2:0

Der 6. Mai 2005 wird als trauriges Datum in die Historie des FC Rot-Weiß eingehen. Durch das 0:2 beim Karlsruher SC sind die Erfurter gestern sportlich abgestiegen. In nur noch zwei Saisonspielen - nächste Woche gegen Köln und dann in Dresden - könnten Siege errungen werden. Zu wenig für den Klassenerhalt.

75 Minuten vor dem Anpfiff fuhren die Rot-Weißen ins Wildparkstadion ein. Der Blick in die Gesichter verriet wenig über die Gefühlslage der Spieler. Doch zwei Tage nach dem vernichtenden DFB-Urteil, das selbst in Baden für Verwunderung gesorgt hat, stellte sich natürlich die Frage nach der mentalen Verfassung: Wie hat die Mannschaft den Punktabzug verkraftet? Trotzreaktion oder Aufgabe? Nun erst recht oder nur noch mit links?




 

Bei Sonnenschein, der einem kräftigen Regenguss folgte, begann Erfurt mit zwei Veränderungen: Richter verteidigte für Fall und Barletta übernahm wieder die Kapitänsbinde von Zedi. Und als diesmal alles auf einen konzentrierten Beginn hindeutete, passierte das, was inzwischen zu einer Regelmäßigkeit beim FC Rot-Weiß gehört - ein früher Rückstand. Gestern leitete ihn Bürger mit katastrophalem Fehler ein, den Stoll bestrafte. Der ehemalige Bundesligaakteur hatte mit seiner Vorlage den Wunsch der Karlsruher erfüllt, den sie im Programmheft auf alberne Weise kundgetan hatten: Erfurt sollte einen Solidaritätszuschlag für den KSC liefern, nachdem dieser im Hinspiel (2:4) angeblich Aufbauhilfe Ost geleistet hatte. Twardzik war über den anfängerhaften Lapsus des 33-Jährigen so sauer, dass er aus dem Tor in Richtung des Links-Verteidigers rannte. Nur mit Mühe konnten ihn seine Mitspieler zurückhalten.




 

Der Schock über das 0:1 hielt aber nicht lange an, Erfurt bestimmte in der Folgezeit das Geschehen mit teilweise gefälligen Passagen. Diesen mangelte es allerdings zumeist an einem guten finalen Pass, sodass viele Angriffe am gegnerischen Gehäuse nutzlos endeten. Zudem wurden die Standards zumeist leichtfertig vergeben. Trotz schwacher Leistung waren die Gastgeber da weitaus gefährlicher. Allein Twardzik, der zweimal glänzend gegen den vollkommen frei stehenden Dundee parierte, war es zu danken, dass nicht schon vor der Pause das 0:2 fiel.

Das ließ jedoch nach dem Wechsel nur rund dreißig Sekunden auf sich warten. Unfassbar wie eine Mannschaft jedes Mal frisch aus der Kabine kommt und dennoch einen Treffer kassiert. Keller, der sich als einer der wenigen RWE-Akteure nach dem Abpfiff stellte, sagte: "Wir sind wahrscheinlich nicht fit genug im Kopf". Der Schläfer diesmal war Traub, der das Luftduell gegen den eingewechselten Kapllani verlor. Wenig später musste der Sünder genauso den Platz verlassen wie zuvor schon Bürger.




 

Bewundernswert, dass die etwa 600 Thüringer Fans, die unter anderem mit sieben gesponserten Bussen angereist waren, ihre Mannschaft trotzdem weiter anfeuerten. Die versuchte auch weiterhin nach vorn zu spielen und erarbeitete sich nun einige Möglichkeiten. Van Buskirks Kopfball und Kresins 16-m-Schuss hielt Miller, Barlettas Seitfallzieher wurde auf der Torlinie von Carnell abgewehrt. Auf der Gegenseite vereitelte Twardzik weitere Treffer der Gastgeber, die aber auch so zufrieden und glücklich den Rasen verließen.




 

Anders die Rot-Weißen. Mit hängenden Köpfen gingen sie vom Platz. Und als sie das Ergebnis aus Köln hörten, senkten sich diese noch weiter. Wissend, dass der Abstieg nun sportlich besiegelt war. "Das ist schlimmer als schlimm", meinte Kresin. Fünf Meter entfernt standen in diesem Moment die Trainer Kocian und Schwartz schweigend an die Wand gelehnt vor der Kabinentür.

Ein Abstieg tut sehr weh.




 

Trainerstimmen

Jan Kocian (FC Rot-Weiß Erfurt): "Wir haben heute sportlich enttäuscht. Bei so schnellem Rückstand kann man kaum wieder ins Spiel kommen. Auch nach der Pause war unser Konzept durch das schnelle Gegentor über den Haufen geworfen. Unser Vorhaben konnten wir heute nicht verwirklichen. Wir hatten hinten keine Sicherheit im Spiel und auch nach vorn lief nichts optimal. Unsere Bemühungen schlugen heute fehl."

Edmund Becker (Karlsruher SC): "Wir wollten zu Beginn ein Zeichen setzen. So sind wir aus der Mannschaftsbesprechung gegangen. Entweder erhöhte Aggressivität oder ein frühes Führungstor. Letzteres gelang. Ich habe nicht verstanden, dass wir dann das Spiel zum Teil aus der Hand gaben. Zu Beginn der zweiten Halbzeit lief es optimal für uns. Wir sahen auch von beiden Mannschaften die bessere Hälfte."




 

Statistik

Karlsruher SC: Miller - Kies, Eggimann, Stoll, Masmanidis (75. Rothenbach) - Freis (46. Kapllani), Aduobe, Schwarz, Carnell - Männer, Dundee (90. Reule) - Trainer: Becker

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Richter, Keller, Traub (65. Klingmann), Bürger (51. van Buskirk) - Barletta, David, Kresin - Kreuz, Onwuzuruike - Hebestreit - Trainer: Kocian

Tore: 1:0 Stoll (6.), 2:0 Kapllani (46., Vorarbeit Carnell)

Schiedsrichter: Gräfe

Zuschauer: 16.500

Gelbe Karten: Kapllani, Schwarz - Barletta, Onwuzuruike, van Buskirk



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