27.Aachen-RWE

Alemannia Aachen - FC Rot-Weiß Erfurt 5:1

Die Vorsätze erwiesen sich als Worthülsen. Nach katastrophaler Leistung verlor der FC Rot-Weiß gestern Abend mit 1:5 in Aachen und verschlechterte seine Aussichten auf den Klassenerhalt enorm. Nicht nur das Ergebnis war deprimierend - die Erfurter präsentierten sich auch wie ein Absteiger.




 

Nach 18 Minuten gab es gestern Abend über die Lautsprecher eine mit "Achtung Achtung" angekündigte Durchsage. Bei einem silbernen Mercedes würden alle Fensterscheiben komplett geöffnet sein. "Also alle hin", forderte der Stadionsprecher, denn es sei ein Auto mit Kölner Kennzeichen. "Nein, nein" korrigierte er sich. "Es reicht, wenn der Fahrer geht." Trotz der Einschränkung lachte das ganze Stadion, die Stimmung war toll, Alemannia führte.

Doch schon eine halbe Stunde vor dem Anpfiff herrschte im altehrwürdigen und ausverkauften "Tivoli" eine faszinierende Atmosphäre. Meist schwarz-gelb geleidet oder zumindest mit farbigem Schal ausgestattet, sangen Tausende schunkelnd das Vereinslied. "Eins bleibt bestehen - Alemannia Aachen wird nicht untergehen."



Dass das aber müden Gästen passieren kann, daran schienen die Rot-Weißen nicht gedacht zu haben. Ehe sie sich versahen lagen sie in Rückstand. Die fehlende Frische auf das ungemütliche Aachener Hotel zu schieben, wäre zu einfach. Wie schon in Ahlen und Aue fehlte die Konzentration von Beginn an. Eric Meijer nutzte das mit plaziertem Kopfball in der 2. Minute konsequent aus. Zu denen, die dabei ganz schlecht aussahen, gehörte Stephan Keller, der überflankt wurde. Der Schweizer konnte sich auch danach wie seine Teamkameraden nicht fangen. Nach einer Notbremse sah er folgerichtig Gelb-Rot, nachdem er vier Minuten zuvor verwarnt wurde.




 

In Unterzahl wurde die Übermacht der aufstiegsambitionierten Gastgeber noch gewaltiger. Eric Meijer fälschte einen Freistoß - allerdings mit der Hand - zum 2:0 ab. Und der Holländer erlebte dank der geringen Gegenwehr der Erfurter, bei denen Senad Tiganj für die gedachte Stärkung der Abwehr früh weichen musste, in der 1. Halbzeit seinen Festtag. Das 3. Tor bereitete der Angreifer meisterhaft vor, das 4. markierte er wieder selbst. "So schön könnte der 1. April immer sein", sagte Meijer anschließend. "Wir konnten spielen wie wir wollten." Es war kein Scherz, die Gäste standen da und wunderten sich, wie engagiert man ein Zweitliga-Duell bestreiten kann.

Wie Rot-Weiß 90 Minuten auftrat, das war ein Schlag ins Gesicht der rund 600 Fans, die aus Thüringen die weite Reise angetreten hatten. Sie mussten ganz tapfer sein, zumal die Erfurter die 2. Hälfte begannen wie sie die erste angefangen bzw. beendet hatten. Erneut mussten sie einen Gegentreffer hinnehmen, Fiel hatte von der Strafraumgrenze genau Maß genommen. Es war das vierte Tor innerhalb von elf Spielminuten (!). Wohl auch ein trauriger Zweitliga-Rekord. Die Anhänger der Rot-Weiß versuchten sich in Galgenhumor und riefen "Auswärtssieg".



Dass der Erfolg schließlich nicht noch peinlicher wurde, lag daran, dass die Gastgeber zur Schonung einen Gang zurückschalten und auch Eric Meijer auswechselten. Als er zur Bank stolzierte, schauten ihm die Rot-Weißen erleichtert hinterher. Sie wurden nach dem Abpfiff vom Gegner ganz anders verabschiedet. Mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Mitleid. Daran änderte auch das 1:5 nichts mehr.




 

Trainerstimmen

Jan Kocian (FC Rot-Weiß Erfurt): "Wir haben dem Gastgeber das Siegen sehr einfach gemacht. Ich kann nicht verstehen, zumal wir in Ahlen und Aue frühe Gegentore erhielten, dass wir so schnell in Rückstand gerieten. Doch Fußball ist Tagesgeschäft. Wir müssen am Mittwoch gegen Unterhaching - wenn wir am Leben bleiben wollen - diese Begegnung unbedingt gewinnen."

Hecking (Alemannia Aachen): "Ich habe mich sehr über die Leistung meine Mannschaft gefreut. Vor allen Dingen über die Spieler, die in der Truppe eigentlich an zweiter Stelle stehen. Erik Meijer sollte heute eigentlich nicht spielen. Er hat sich aber, als er von Scharpings Malheur erfahren hatte, sofort der Mannschaft zu Verfügung gestellt. Wir wollen nun auch unser Spiel gegen Oberhausen gewinnen."



Statistik

Alemannia Aachen: Straub - Landgraf, Sichone, Klitzpera, Noll - Plaßhenrich (56. Stehle), Fiel - Schlaudraff - Reghecampf, Gomez (68. Iwelumo), Meijer (56. Petrovic)

FC Rot-Weiß Erfurt:Twardzik - Richter, Keller, Traub, Bürger - Schnetzler, Barletta, Kreuz, Onwuzuruike (68. Klingmann) - Hebestreit (65. Neitzel) - Tiganj (39. Fall)

Tore: 1:0 Meijer (2.), 2:0 Meijer (36.), 3:0 Gomez (40.), 4:0 Meijer (44.), 5:0 Fiel (47.), 5:1 Richter (90.)

gelb-rote Karte: Keller (32./Erfurt) wdhl. Foulspiel

Zuschauer: 20962

Schiedsrichter: Schalk



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