25.Siegen-RWE

SF Siegen-FC Rot-Weiss-Erfurt 1:1

Aus und vorbei. Mit dem dürftigen 1:1 in Siegen verspielte der FC Rot-Weiß gestern seine letzte Aufstiegschance und kann bereits für das neue Spieljahr planen. In der Regionalliga.
Der Sonntag hätte ein Feiertag werden können. Nach den vorangegangen Resultaten war der vierte Platz für die Rot-Weißen greifbar nahe. Ein Sieg hätte zudem den Hoffnungsfunken im Aufstiegskampf am Glimmen erhalten. Doch es kam anders. In Siegen reichte es erneut nicht zu einem vollen Erfolg. Das 1:1-Unentschieden kommt einer beinahe einer Niederlage gleich.



Schon in der Anfangsphase waren es nämlich die abstiegsgefährdeten Sportfreunde, die den Ton angaben. Prompt gelang ihnen auch die Führung. Der agile Weikl hatte Bettenstaedt bedient, der aus abseitsverdächtiger Position mit herrlichem Seitfallzieher das 1:0 erzielte. Das brachte die Erfurter, bei denen überraschend Hebestreit in der Anfangself stand, in Zugzwang. Kurz darauf besaß der Torjäger die Möglichkeit, dem Spiel eine Wende zu geben. Aber er vergab genauso kläglich wie Pätz, der völlig freistehend über das Siegener Tor schoss (17.).
Die Platzherren beschränkten sich in der Folgezeit auf die Verteidigung des knappen Vorsprungs und hatten Glück, dass wiederum Hebestreit die dritte Großchance ausließ (32.). Nach der Pause schickte Trainer Feichtenbeiner mit Dzihic einen wei-teren Stürmer aufs Feld. Ohne durchschlagenden Erfolg. Fehlabspiele und ungenaue Pässe in die Spitze (Raspe, Okic, Akrapovic) brachten die stabile Siegener Deckung nicht ins Wanken. Außerdem bremsten Unbeherrschtheiten (Dzihic) gegenüber dem Schiedsrichter den Spielfluss. Die Psyche der Akteure scheint angesichts der unbefriedigenden Tabellensituation mehr als angeschlagen.
Die optische Überlegenheit der Rot-Weißen zahlte sich in der Endphase doch noch aus. Lukin konnte den in den Strafraum eingedrungenen Pätz nur regelwidrig stoppen, und Ziegner verwandelte den fälligen Strafstoß sicher. Es war der erste Erfurter Treffer nach 372 Minuten, also über sechs Stunden Spielzeit.




 

Die 150 mitgereisten Fans wären für ihre Unterstützung fast noch mit dem Siegtor belohnt worden. Doch Referee Bielmeier verweigerte den Gästen in der letzten Minute einen zweiten Elfmeter. Pätz hatte Sträßer freigespielt, der nur noch per Foul gestoppt werden konnte. Die Aufregung darüber ging mit dem Abpfiff unter. Und auf beiden Seiten gab es lange Gesichter. Erfurt wartet weiter auf den ersten Erfolg in der Rückrunde. Siegen konnte sich auch nicht von der gefährdeten Zone lösen.
Der arg enttäuschte Rot-Weiß-Trainer Michael Feichtenbeiner zeigte sich auch ratlos und verwies auf die Alltagsarbeit: "Wir müssen jetzt von Spiel zu Spiel denken, um wieder in unseren Rhythmus zu kommen." Das bevorstehende Spiel ist gerade für ihn ein ganz Besonderes. Am Freitag gastiert mit Darmstadt sein ehemaliger Verein im Steigerwaldstadion. Trotz aller Aussichtslosigkeit kündigte der 42-Jährige an. "Wir kämpfen bis zur allerletzten Möglichkeit, zur Tabellenspitze vorzudringen."
Bislang blieb es lediglich bei erfolglosen Versuchen.
Jürgen KLEIN.




 

Angemerkt

Drei Spiele - drei Unentschieden: Der FC Rot-Weiß tritt auch nach der Winterpause kontinuierlich auf der Stelle.
Der selbst ernannte Zweitliga-anwärter hängt im grauen Verfolgerfeld fest und ist den Abstiegsrängen nach Punkten mitt- lerweile näher als den avisierten beiden Spitzenrängen. Unterhaching ist längst enteilt, der Aufstiegszug abgefahren, die treue Fangemeinde enttäuscht.
Es wurde viel probiert: Neue Spieler verpflichtet, der Trainer gewechselt, das System verändert, das Flutlicht angeknipst.
Ohne Erfolg.
Wer seit sechs Partien sieglos ist, in den letzten vier Duellen nur einen (Elfmeter)-Treffer erzielt hat, dem fehlt es einfach an Qualität. Auch Coach Michael Feichtenbeiner schaffte es nicht, der Mannschaft die Siegermentalität zu vermitteln, die ein Spitzenteam von einem Stimmungsteam unterscheidet.
Dabei hatte Sven Ottke den Erfurtern eine gute Vorlage serviert. Am Samstagabend bewies der neue Box-König einmal mehr, wie man enge Kämpfe für sich entscheidet. Diesen unbedingten Willen ließen die Rot-Weißen im bisherigen Saisonverlauf zu häufig vermissen. Elf Mal gaben sie sich mit Teilerfolgen zufrieden. Das ist Ligaspitze und erhält zumindest die Aussicht auf eine Krönung am Saisonende:
Zu der des Remis-Königs.

16.03.2003 Von Marco ALLES



Statistik

Siegen: Balaz - Custos, Bäcker, Islamoglu, Lukin - Zott (80. Nauroth), Kresovic, Cirba (78. Narkus), Truckenbrod, Weikl - Bettenstaedt.

Erfurt: Twardzik - Ziegner (76. Müller), Gansauge, Laars (46. Dzihic), Loose - Pätz, Akrapovic (79. Hartung), Raspe, Sträßer - Okic - Hebestreit.

Sch.: Bielmeier (Deggendorf)

Zuschauer: 2.555

Tore: 1:0 Bettenstaedt (11.), 1:1 Ziegner (74./Foulstrafstoß).



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