18.RWE-Saarbrücken

FC Rot-Weiß Erfurt - 1. FC Saarbrücken 0:1

Erstmals in der Bundesliga-Geschichte stand gestern ein Torhüter-Gespann auf dem Platz, das mehr als 80 Jahre auf dem Buckel hat. Nach dem Abpfiff jubelte jedoch nur Saarbrückens 41-jähriger Peter Eich. Der ein Jahr jüngere Claus Reitmaier musste sich indes das entscheidende Tor ankreiden.
Ausgerechnet zum Jubiläum unterlief dem Rot-Weiß-Torhüter dieser Lapsus. In seinem 100. Zweitliga-Einsatz verschätzte er sich bei Demais weiter Eingabe in den Fünfmeterraum. Fall kam außerdem zu spät, so dass Hagner völlig freistehend einköpfen konnte. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt waren die Erfurter kalt erwischt worden. "Einer hat sich leider auf den anderen verlassen", beschrieb der Rechtsverteidiger später die entscheidende Situation (4.).




 

Dass die "Verkettung von Fehlern" (Trainer Müller) am Ende die Heimniederlage zum Rückrunden-Auftakt gegen Saarbrücken besiegelte, lag nur bedingt an den personellen Änderungen. Gegenüber den Vorbereitungsspielen hatte der Coach Glöden, Zedi und Onwuzuruike aufgeboten und ließ Neuzugang Tiganj als einzige Sturmspitze ran.

Während die Rot-Weißen im ersten Abschnitt noch Druck erzeugten und zu Chancen kamen, blieben sie nach der Pause fast alles schuldig. Planlos wurde der Ball nach vorn geschlagen - in der Hoffnung, Tiganj wird schon etwas daraus machen. Der Slowene beeindruckte in mehreren Szenen auch mit guter Ballbehandlung und setzte seine Nebenleute geschickt ein. Doch oft war er auf sich allein gestellt.




 

So musste die kompakte Gäste-Abwehr nur einige Male um die Führung fürchten. Onwuzuruikes Schuss (10.) wurde ebenso eine Beute von Eich wie Glödens Versuch aus der Drehung (12.). Bei Zedis 18-m-Knaller an den Querbalken hatte der Saarbrücker Torwart-Dino das nötige Glück (15.). Danach ließen die Erfurter aber auch deutlich nach. Trainer Müller machte vor allem das Ausscheiden des starken Onwuzuruike als "Knackpunkt" aus. Der Nigerianer erlitt nach einem Foul von Nehrbauer eine tiefe Risswunde im Leistenbereich, die noch während der Partie genäht werden musste.

Das verletzungsbedingte Aus des 25-Jährigen nahm den Rot-Weißen spürbar den Schwung in der Offensive. David konnte ihn nicht adäquat ersetzen. Und von Schnetzler kam von der rechten Seite ebenfalls zu wenig. Wie gefällig man trotz des tiefen Bodens kombinieren konnte, zeigten die Saarbrücker bei einigen Kontern. Meist initiiert vom auffälligen Hagner stellte der Mit-aufsteiger die Erfurter Deckung mit schnellen Gegenzügen vor erhebliche Probleme. Bencik, der nach einem Doppelpass mit Hagner freistehend verzog (25.), und Nehrbauer, dessen 22-m-Flachschuss am Pfosten landete (45.), besaßen zwei Möglichkeiten zur Vorentscheidung.




 

Dass es nach zwei Niederlagen gegen Rot-Weiß in den vergangenen acht Monaten für die Saarländer trotzdem zum Sieg reichte, lag an der Einfallslosigkeit der Einheimischen. Diese enttäuschten nicht nur aus dem Spiel heraus, sondern vergaben auch sämtliche Standards in aussichtsreichen Positionen. "Das war kläglich", bekannte der Trainer, der in der Schlussphase mit van Buskirk und Neitzel weitere Angreifer aufs Feld schickte und damit alles auf eine Karte setzte. Ohne Erfolg.




 

Bis auf einen Neitzel-Schuss ans Außennetz (74.) gab es keine verheißungsvolle Ausgleichschance mehr. Die ständig hoch und weit nach vorn geschlagenen Bälle machten es den Saarländern leicht, ihr Tor sauber zu halten. "Wir konnten das Spiel kontrollieren", zeigte sich FCS-Coach Horst Ehrmantraut mit dem "dünnen Arbeitssieg" zufrieden. "Das waren drei Punkte für den Klassenerhalt." Ähnlich sah es Eich, der sich über den "verdienten Ausgang" mehr freute als über das gewonnene Duell gegen Reitmaier. "Dass wir mit über 40 immer noch im Tor stehen, beweist, dass man auch im Alter noch ganz gute Leistungen bringen kann."




 

Trainerstimmen

Rene Müller (Rot-Weiß Erfurt): "Der Knackpunkt nach dem schnellen Rückstand war, dass Zedis Schuss an die Latte und nicht ins Tor ging. Nach Henris (Onwuzuruike) Verletzung kam ein Riss in unser Spiel. Nach Einwechslung von Neitzel hatte dieser eine Großchance, die er aber leider vergab. Saarbrücken hatte die gepflegtere Spielweise, wir stellten uns bei der Nutzung von Standards kläglich an. Der Sieg geht aber in Ordnung."

Horst Ehrmanntraut (Saarbrücken): "Im Vorfeld war uns klar, dass bei uns nach zwei Niederlagen hintereinander gegen Erfurt etwas passieren musste. Nach der weiten Vorlage von Deami auf Hagner nutzten wir gleich die erste Chance. Das kam unserem Spiel entgegen. Dann wurde der Druck der Erfurter stark. In der zweiten Spielhälfte haben wir mehr oder weniger das Spiel kontrolliert. Es war ein "dünner" Sieg, ein Arbeitssieg eben. Ich freue mich darüber."



Statistik

Tore: 0:1 Hagner (3.)

FC Rot-Weiß Erfurt: Reitmaier - Fall (72. Neitzel), Richter, Traub, Klingmann - Zedi - Schnetzler, Glöden (64. van Buskirk), Hebestreit - Tiganj, Onwuzuruike (31. David)

1.FC Saarbrücken: Eich - Demai, Adiele, Nsaliwa, Kling - Örtülü (61. Stuff), Nehrbauer, El Idrissi (72. Caruso), Hagner (89. Heeren) - Bencik, Diane

Zuschauer: 8.796

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer



17.RWE-Dresden
19.RWO-RWE