16. RWE-SV Wehen

FC Rot-Weiß Erfurt - SV Wehen 3:2

Gewonnen, aber nicht überzeugt:
Michael Feichtenbeiner schrie sich an der Seitenlinie die Kehle heißer: "Schiri, die Zeit. Die Zeit, pfeif doch ab!" Immer wieder deutete der 42-Jährige auf seine Uhr, die ihm schon zwei Minuten Nachspielzeit anzeigte.
Alles war am Sonnabend wie gehabt im Steigerwaldstadion. Die Gastgeber führten knapp mit 3:2, und gerieten in der Schlussphase wieder einmal in arge Bedrängnis. Letztlich durften sich die Rot-Weißen dann doch nach ihrem sechsten Heimsieg jubelnd in die Arme fallen. Nicht nur Feichtenbeiner sprach danach von einem "Sieg der Moral", auch die Spieler wussten, dass sie es eigentlich besser können. Wie Henri Fuchs, der zugab, dass die spielerische Lockerheit derzeit noch zu wünschen übrig lässt.
Dabei zeigte Erfurt im Vergleich zu den vorangegangen Heimspielen, mit Ausnahme der ersten 30 Minuten - in denen sich auf beiden Seiten rein gar nichts tat -, diesmal ein deutlich besseres Zweikampfverhalten und eine gute Laufarbeit. Vor allem von den Außenpositionen (Strässer, Hornung) wurde viel Druck gemacht, im Mittelfeld unterstrich Regisseur Okic seine seit Wochen ansteigende Form.
Rot-Weiß nutzte seine erste Torchance gleich zur Führung, als Raspe den Okic-Freistoß am kurzen Pfosten stehend einköpfen konnte (30.). Wenig später vergeigte Hebestreit aus acht Metern das mögliche 2:0 (34.).
Wehen, das zuletzt drei Mal in Folge gegen Erfurt gewann, versteckte sich jedoch nach dem Rückstand nicht, schlug spielerisch sogar die wesentlich feinere Klinge - und profitierte kurz vor und nach der Pause zweimal durch da Silvas Treffer (44., 48.) vom Durcheinander in der Erfurter Abwehr, in der diesmal der vier Wochen verletzt gewesene Gansauge wieder in der Zentrale spielte.
Ausgerechnet der kleinste im Erfurter Team, der 1,72 m große Strässer, mutierte während der Partie zum "Kopfballungeheuer". Zehn Sekunden vor der Pause stand er nach Fuchs-Flanke ebenso goldrichtig, wie in der zweiten Halbzeit, als der gerade erst eingewechselte Müller mit einer weiten Flanke Maßarbeit geleistet hatte (76.).
Kurz zuvor musste Wehens Mehic nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz. Um so erstaunlicher, dass die Gäste nach dem 2:3-Rückstand die Rot-Weißen in Unterzahl noch einmal in Bedrängnis brachten. Doch die zahlreichen "Stockfehler" der Erfurter im Spielaufbau wurden dank der kämpferischen Einstellung zum Glück nicht mehr bestraft.

Tore: 1:0 Raspe (30.), 1:1 da Silva (43.), 2:1 Sträßer (45.), 2:2 da Silva (48.), 3:2 Sträßer (77.)

RW Erfurt: Twardzik - Bach, Loose (75. Müller), Gansauge, Hornung - Sträßer, Raspe (55. Laars), Ziegner - Okic - Fuchs (88. Hartung), Hebestreit

SV Wehen: Koltermann - Dylong, Wilde (83. Gies), Kaymak, Uster - Gisinger, da Silva, Simon (62. Sauer), Bunzenthal- Mehic, Ben Naticha

Zuschauer: 2850

GR: Mehic (72./wdh. Foulspiel




 

Hornung gehörte zu den Besten.

Comeback des Tages

Dem Fernsehteam, dem sich Christian Müller am Sonnabend nach dem 3:2-Sieg über Wehen zur Rede und Antwort stellen sollte, erteilte der 21-Jährige einen Korb: "Lasst mal, da gibt es andere Spieler bei uns, mit denen ihr reden könnt."
Neue Bescheidenheit beim Erfurter Mittelfeldspieler, der zuvor nach über einem Jahr Pause ein glanzvolles Kurz-Comeback im Rot-Weiß-Trikot gefeiert hatte. In der 75. Minute für Loose eingewechselt, bedeutete seine erste Ballberührung, die weite und genaue Flanke auf Strässer, den Ausgangspunkt zum 3:2-Siegtor. Sein letzter Auftritt im Regionalligateam liegt lange zurück. Am 7. April 2001 stand er letztmalig beim 3:0-Erfolg in Karlsruhe in der Anfangself. Danach hatte ihn eine Verletzung lange außer Gefecht gesetzt.
"Ich habe danach", gesteht er heute ein, "mit Sicherheit auch nicht ausreichend viel gemacht, um wieder zurück zu kommen." Müller wurde früher (auch in seiner Jenaer Nachwuchszeit) ein leichter Hang zur Überheblichkeit nachgesagt. Damit soll für ihn jetzt Schluss sein. "In den letzten Monaten habe ich sehr viel trainiert", sagt er heute.
Der "Vollprofi" Christian Müller will es, wie seine Mitspieler, in dieser Saison wissen: "Wir wollen aufsteigen, doch jeder sieht, dass wir nach den schwachen Partien in Unterhaching und Regensburg (d.R.: jeweils 0:3) noch immer etwas verunsichert sind." Seine ganze Zuversicht, dass sich alles zum Guten wendet, legt Müller in den neuen Trainer Michael Feichtenbeiner. "Er redet viel mit uns, macht uns vor den Spielen unheimlich heiß. Genau das brauchen wir jetzt", meint er. Und Fußball-Erfurt braucht solche (wieder hungrigen) Talente wie ihn in diesen Tagen mehr denn je.




 

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