16.Köln-RWE

1. FC Köln - FC Rot-Weiß Erfurt 1:1

Im RheinEnergie-Stadion in Köln gingen gestern zwei Serien zu Ende. Der 1. FC Köln konnte nach sechs Heimsiegen erstmals nicht gewinnen. Der FC Rot-Weiß brachte nach fünf Auswärtsniederlagen endlich wieder Zählbares nach Hause mit. Für ihn war sogar mehr als ein Punkt drin.




 

Mit einem unerwarteten Personalwechsel hatte René Müller die Mannschaft, die rund 1400 mitgereisten Erfurter Fans und wohl auch die Torhüter selbst überrascht. Statt René Twardzik stand Claus Reitmaier zwischen den Pfosten, "der sich das als Mensch und Torhüter verdient hat". Das sei keine Entscheidung "gegen René, doch wir hatten unseren letzten Auswärtspunkt in Essen geholt", begründete der Trainer seine überraschende Maßnahme. Nach dem Abpfiff konnte er aufatmen, sein Risiko hatte sich ausgezahlt, der 40-Jährige hielt fehlerlos. Während seine früheren Bundesliga-Vereine Karlsruhe, Gladbach und Wolfsburg teilweise heftige Klatschen hinnehmen mussten, blieb er in seinem ersten Pflichtspiel für Rot-Weiß erfolgreich. Mit gelbem Trikot, weißer Hose und schwarzen Stutzen aufgelaufen, strahlte er von der 1. Minute an die von ihm erwartete Ruhe aus. Doch sein Können war gar nicht oft gefragt, denn seine Vorderleute nahmen ihm fast alles an Arbeit ab und zeigten sich auch im Offensiv-Spiel dem Spitzenreiter absolut gleichwertig. Ja, sie waren ihm sogar überlegen.




 

Die Atmosphäre im mit 36 800 Zuschauern imposant gefüllten Stadion ("Das zu erleben war Weltklasse"/Neitzel) schien die Erfurter von Anfang an eher zu beflügeln statt zu hemmen. Die Abwehr (herausragend Richter und Traub) stand erstklassig, nach vorn gab es teilweise sehenswerte Kombinationen. Doch es fehlte die Krönung durch ein Tor. Für Enrico Neitzel und Ronny Hebestreit war es in einer Doppelchance am ehesten möglich (28.). Aber auch so gab es zur Halbzeit Pfiffe für die Einheimischen. Nach der Pause sahen sich die Gäste zunächst einer Druckwelle ausgesetzt. Als die überstanden war, fand Rot-Weiß wieder zu ruhigem Spiel. Und als Sinkala in Not zu Torhüter Bade zurückpasste, entschied der gute Schiedsrichter Weiner folgerichtig auf Freistoß neun Meter vor dem Tor. Henning Bürger passte zu Ralf Klingmann, dessen abgerutschter Schuss Alexander Schnetzler erreichte, der den Ball zum 1:0 abstaubte. Kurz darauf boten sich Erfurt zwangsläufig Konter-Chancen, die aber ungenügend genutzt wurden. So warf Köln in den letzten Minuten alles nach vorn, "in der Phase bettelten wir um den Ausgleich", stellte René Müller fest.




 

Das 1:1 gelang den Gastgebern zwei Minuten vor der Sensation. Der griechische Europameister Tsartos (68 Länderspiele), der erst diese Woche verpflichtet wurde, drückte aus 18 Metern ab. Stephan Keller fälschte den Ball unerreichbar für Reitmaier ab. Doch was Dresden und Aue schon passiert war, nämlich kurz vor Ende noch in Rückstand zu geraten, geschah den Erfurtern nicht mehr. Dennoch fiel ihre Freude über das Remis eher verhalten aus, wissend, dass sie den Kölnern eine Niederlage hätten beibringen können. Verdient wäre so ein Ausgang durchaus gewesen. Weil Rot-Weiß wie schon gegen Karlsruhe auch spielerisch überzeugen konnte. Nun gilt es die Steigerung noch einmal zu beweisen, "gegen Dresden haben wir die Pflicht, den Punkt mit einem Sieg zu vergolden", gab Rot-Weiß-Kapitän David Fall schon gestern die Marschroute vor.




 

Trainerstimmen

Müller (FC Rot-Weiß Erfurt): In der ersten Halbzeit gelang es uns nicht, das Kölner Tor so zu bedrohen, wie wir uns das vorgenommen hatten. Nach der Pause ging das alles besser. Zum Zeitpunkt unseres Torerfolgs war dieses Resultat auch für uns verdient. Schade, dass uns nicht gelang, die Führung über die Zeit zu bringen. Mit dem Einsatz von Reitmaier wollte ich die Trainingsleistung des Keepers belohnen."

Stevens (1. FC Köln: Kölns Trainer Huub Stevens sagte bei der Pressekonferenz: "Mir war bewusst, dass Erfurt eine gute Mannschaft ist und das Spiel schwer wird. Ich bin froh, dass wir wenigstens den Ausgleich erzielt haben." Den versammelten Journalisten sagte er: "Bitte überlegen sie: wir haben heute 34 Punkte, damit hätte nach unseren beiden sieglosen ersten Saisonspielen niemand gerechnet."



Statistik

FC Rot-Weiß Erfurt: Reitmaier - Fall, Richter, Traub, Klingmann - Schnetzler (81. David), Barletta, Glöden, Bürger - Neitzel (61. Braham), Hebestreit (79. Keller)

1. FC Köln: Bade - Sinkala, Konstantinidis (74. Ebbers), Voigt - Cullmann, Schindzielorz (71. Benschneider), Achenbach, Tsiartas - Scherz, Podolski, Streit (79. Tököli)

Schiedsrichter: Weiner (Gießen)

Zuschauer: 36 080

Tore: 0:1 Schnetzler (72.), 1:1 Tsiartas (89.)



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17.RWE-Dresden