15.RWE-Karlsruhe

FC Rot-Weiß Erfurt - Karlsruher SC 4:2

Ja, sie treffen noch! Während die Rot-Weißen ihre Fans mit vier Treffern in den bisherigen sieben Heimspielen auf Schmalkost hielten, verwöhnten sie das Publikum gestern mit dem 4:2-Erfolg über Karlsruhe. Ein Befreiungsschlag, bei dem ein Mann im Mittelpunkt stand.
"Oh, wie ist das schön, so ´was haben wir lange nicht gesehen, so schööön. . ." Bereits 20 Minuten vor dem Ende stimmte das Erfurter Publikum die Jubelgesänge an. Die Anhänger feierten mit La-Ola-Wellen ihre Mannschaft und zeigten sich dankbar für den Offensivfußball, den der FC Rot-Weiß geboten hatte.




 

Enrico Neitzel, endlich hat ihn Müller von Beginn an spielen lassen. Er ist der Stürmer auf den wir alle gewartetet haben.

Erstmals in dieser Saison verwerteten die Gastgeber auch ihre Chancen konsequent. Und dafür zeichnete vor allem einer verantwortlich, der bislang immer nur eingewechselt wurde: Enrico Neitzel. Der 27-Jährige wurde in seinem ersten Zweitliga-Spiel von Anfang an mit zwei Toren zum Matchwinner. "Besser hätte es nicht laufen können", sagte der Stürmer, der erst in der Besprechung zwei Stunden vor dem Anpfiff von seiner Nominierung erfahren hatte. "Er war einfach dran", begründete Trainer René Müller (Bild) seine Entscheidung und hob den losgelassenen Doppeltorschützen später heraus: "Was er gezeigt hat, war höchstes Level - giftig, krallig und laufstark", lautete seine Analyse.



Dass Neitzel nach rund einer Stunde wegen einer Rückenblockierung das Feld verlassen musste, schmälerte seine überzeugende Leistung nicht.Er gab allerdings zu, beim 1:0 nach zwei Minuten und Alexander Schnetzlers Klasse-Eingabe gar nicht ans Toreschießen gedacht zu haben: "Ich hatte nur Colin und Nancy im Kopf" - seinen vier Wochen alten Sohn und seine Freundin. Dem Junior galt deshalb auch der Gruß auf dem T-Shirt, das er unter dem Trikot trug und beim losgelösten Jubel stolz vorzeigte. Wem die Hüpfsprünge galten, wollte der Angreifer indes nicht verraten.Genauso sehenswert wie sein Hechtkopfball zur frühen Führung war das 3:1, als er sich ein Herz nahm, aus 18 Metern einfach abzog und der Ball im Netz zappelte. Da störte es niemanden, dass Dick den Schuss noch abgefälscht hatte. Die Fans feierten Neitzel mit Sprechchören und stehenden Ovationen. Das tat dem bisherigen Teilzeitarbeiter (neun Einwechslungen) sichtlich gut. Genugtuung verspürte er jedoch nicht: "Dass ich mit meiner Rolle nicht glücklich war, ist doch klar. Doch diesmal hat der Trainer mir das Vertrauen gegeben - und ich habe es ihm zurückgezahlt." Das sei in dem "6-Punkte-Spiel" besonders wichtig gewesen. Für ihn - und "vor allem für die Mannschaft".



Die bot, beflügelt durch das zeitige Führungstor, in der ersten halben Stunde ihre beste Offensivleistung. Schnetzler und der überraschend für Markus Kreuz ins Team gerückte Henning Bürger setzten auf den Außenbahnen Akzente. Im Zentrum waren Ronny Hebestreit und Neitzel von der wackligen Karlsruher Deckung nie zu stellen. Und so bekannte KSC-Coach Lorenz-Günther Köstner auch, "dass wir die Partie in der Abwehr verloren haben". Denn die Rot-Weißen hätten diese Patzer "klasse und konsequent ausgenutzt".Allerdings traf die hohe Fehlerquote auch auf die Erfurter Verteidigung zu. So führte schon nach zehn Minuten ein Missverständnis zwischen René Twardzik und Andreas Richter zum 1:1. Freis, der vom RWE-Torhüter angeschossen wurde, kam dadurch unverhofft zu seinem fünften Saisontor. Kurz darauf bügelte Richter seinen Lapsus jedoch wieder aus. Nach Bürgers Ecke nahm er den Ball nach einer zu kurzen Kopfballabwehr volley und traf zum 2:1 (17.). Zum Durchatmen kam aber niemand. Nachdem Neitzel erhöht hatte, schaffte Männer nach einem verunglückten Kopfball von Barletta per 16-m-Flachschuss den Anschluss. Danach verloren die Rot-Weißen etwas den Faden und hatten kurz vor der Pause Glück, dass Freis nur das Außennetz prüfte.Nach dem Wechsel mussten beide Teams dem hohen Tempo etwas Tribut zollen. Sie agierten nun abwartender, mehr auf Defensive bedacht. Dennoch blieb der Aufsteiger gefährlicher, weil die Akteure des Trainers Maßgabe ("Steil denken, steil laufen, steil spielen") konsequent verfolgten.



Die Entscheidung fiel jedoch durch einen Standard. Ralf Klingmann überraschte mit seinem direkten 25-m-Freistoß ins lange Eck sowohl die Mit- als auch die Gegenspieler - allen voran Keeper Miller (63.).Trotz einer Chance des bis dahin völlig abgemeldeten Dundee (82.) kam in der Endphase nie das Gefühl auf, dass die Gäste noch einmal ins Spiel zurückkommen könnten. Zu lauf- und zweikampfstark präsentierte sich Rot-Weiß. Und dass es endlich auch längere Ballpassagen zu bestaunen gab, honorierten die Anhänger mit Szenenapplaus. Während Trainer Müller ein 2:0 lieber gewesen wäre ("Dann hätten wir nämlich weniger Fehler gemacht"), freuten sich die Fans über die vier Tore ihres Teams. Das war den Erfurtern das letzte Mal vor über einem Jahr gelungen, am 22. November 2003 beim 4:0 über Aalen. Und das, obwohl Neitzel damals wegen einer Mittelfußverletzung passen musste.



Trainerstimmen

Lorenz Günther-Köstner (KSC): "Ein völlig verdienter Sieg der Erfurter. Selbst bin ich über unsere Leistungen enttäuscht. Wir wurden von der Spielweise der Erfurter überrascht. Unser Angriff war zu harmlos, um das Spiel noch für uns zu entscheiden. Wenn Dundee sich seine erste Chance in der 82. Minute erarbeitet, spricht das Bände."

Rene Müller (FC Rot-Weiß Erfurt): "Nach dem 1:0 und 3:1 ist Karlsruhe wieder zurückgekommen. Deshalb konnten wir nach der Pause nicht so ungehemmt spielen, wie in der ersten Halbzeit. Enrico Neitzel hat sich durch seine Trainingsleistungen den Einsatz verdient. Vor knapp drei Wochen ist er Vater eines gesunden Colin geworden und so konnte er ungehemmt spielen. Es gibt aber Spieler in unserer Mannschaft, die erst mit harten Sanktionen bestraft werden mussten."



Statistik

Tore: 1:0 Neitzel (2.), 1:1 Freis (10.), 2:1 Richter (17.), 3:1 Neitzel (24.), 3:2 Männer (33.), 4:2 Klingmann (65.)

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Fall, Richter, Traub, Klingmann - Schnetzler (88. Zedi), Barletta, Bürger - Glöden - Neitzel (62. Braham), Hebestreit (84. Keller)

Karlsruher SC: Miller - Kies, Eggimann, Stoll, Dick – Männer, Kritzer, Saenko (76. Schwarz), Hassa (61. Mladenov) - Dundee, Freis (76. Iyodo)

Zuschauer: 7.608

Schiedsrichter: Uwe Kemmling

Gelbe Karten: Hebestreit - Hassa, Mladenov



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16.Köln-RWE