11.RWE-Duisburg

FC Rot-Weiß Erfurt - MSV Duisburg 0:0

Vieles machten die Rot-Weißen gestern genauso wie beim 1:0 über Aachen. Sie traten gegen Duisburg in der gleichen Besetzung an, spielten wieder zuerst in Richtung Anzeigetafel und überzeugten erneut in der Defensive. Nur das erlösende Tor fiel diesmal nicht.
So fühlten sich Spieler und Fans nach dem Abpfiff irgendwie zwischen Baum und Borke. Keiner wusste so recht, wie er das Unentschieden einordnen sollte. Einerseits wurde den Duisburgern der Sprung an die Tabellenspitze verwehrt. Andererseits verpassten es die Erfurter, selbst die Abstiegsränge zu verlassen und damit den Oktober zu vergolden."Es war mehr drin", bekannte auch Kapitän Rudi Zedi. Vor allem in der Offensive blieb seine Mannschaft einmal mehr vieles schuldig. Nur bei Glödens Kopfball (24.) und Schnetzlers Flachschuss (30.) musste MSV-Torhüter Koch in der ersten Hälfte eingreifen. Ansonsten hatten seine Vorderleute leichtes Spiel, da es die Rot-Weißen versäumten, in der Gefahrenzone Überzahl zu schaffen.




 

So war häufig derjenige, der gerade den Ball hatte, der Ärmste auf dem Platz.In der niveauarmen Partie, die nach der Pause sogar langweilig wurde, enttäuschten aber auch die hochgehandelten Gäste. Sie verstanden es ebenso wenig, sich gefährlich durchzusetzen. Erst kurz vor dem Ende besaß van Houdt die Gelegenheit zur Entscheidung (86.). Er scheiterte allerdings freistehend am stark reagierenden Twardzik."Das war der Matchball", sagte Trainer René Müller. Da sein Team keine echte Siegchance besaß, musste er letztlich mit dem Remis zufrieden sein. Es war bereits das dritte 0:0 in dieser Saison. In sieben von elf Partien blieb Rot-Weiß ohne eigenes Tor. "Wir hatten zu viele komplizierte Aktionen im Spiel nach vorn", so Müller. Statt geradlinig in die Spitze zu stoßen, wurde sich verzettelt. Allerdings waren die Offensivkräfte oftmals auf sich allein gestellt, weil niemand nachrückte. "Wir müssen uns einfach mehr zutrauen", sagte Zedi. Torsten Traub aus der gut stehenden Abwehr vermisste die Entschlossenheit, "auch mal etwas zu erzwingen".




 

Und Kollege Andreas Richter, der fast jeden Zweikampf gewann und zum besten Mann auf dem Feld avancierte, fehlte sogar "der unbedingte Siegeswille".So entwickelte sich ein kampfbetontes Ringen um jeden Meter zwischen den Strafräumen, das MSV-Coach Norbert Meier nicht beschönigte: "Das war nichts für Fußball-Ästheten." In dem zähen Duell verbuchte seine Elf spiele- rische Vorteile (Voss, van Houdt). Rot-Weiß entschied die meisten Zweikämpfe für sich, konnte daraus jedoch kein Kapital schlagen. "Zu hausbacken" bezeichnete Müller die Angriffsbemühungen und forderte für die Zukunft: "Wir müssen aufpassen, dass wir keine Duckmäuser werden", kritisierte er. "Wir müssen männlicher werden."Oder einfach frecher und risikofreudiger. Denn weder Braham noch der auch nie zur Geltung gekommene Alex konnten als Alleinunterhalter in vorderster Front etwas ausrichten. Und da Glöden, der erneut viel unterwegs war, alles andere als Torjäger ist, tendierte die Offensivwirkung gen Null.
Doch Müller scheute auch in der Schlussphase das letzte Risiko und ließ van Buskirk als mögliche Sturm-Alternative auf der Bank. Auf Neitzel konnte er nicht zurückgreifen, da dieser in der Nacht zuvor zum ersten Mal Vater eines Sohnes (Colin) geworden ist.Wiederum nicht im Kader war der in den Schlussminuten von einigen Fans geforderte Ronny Hebestreit. Der aufs Abstellgleis geratene Angreifer hätte gestern allerdings auch nicht eingreifen können. Im Spiel der Landesliga-Mannschaft am Vortag gegen Geisa (2:2) hatte er nach einem Ellenbogencheck eine Platzwunde über dem rechten Auge erlitten. Dabei blieb sein Jochbein zwar heil, die klaffende Wunde musste aber mit 16 Stichen genäht werden. Hebestreit fällt somit für die nächsten Tage aus und wird seiner Mannschaft am Sonntag in Cottbus (15 Uhr) nicht zur Verfügung stehen.




 

Die Hoffnung, dass dort die kleine Erfolgsserie (vier Punkte aus zwei Spielen) nicht schon wieder reißt, schöpft Kapitän Zedi aus der wiedergefundenen Kompaktheit seines Teams. Mit dem eingespielten Innenverteidigerduo Richter und Traub lassen die Erfurter kaum Chancen des Gegners zu. Und der eigenen mageren Ausbeute gewinnt der 30-Jährige sogar Positives ab: "Mit fünf Treffern elf Punkte zu holen - das schafft auch nicht jeder."Wenigstens der Humor kommt bei Rot-Weiß nicht zu kurz.




 

Trainerstimmen

Müller (FC Rot-Weiß Erfurt): "Ich muss von meiner Manschaft mehr Männlichkeit erwarten. Manche Spieler haben im Training offensichtlich nicht richtig hingehört," ließ Müller seinem Frust freien Lauf: "Ich selbst gehe ohne Angst in jedes Spiel. Meine Jungs müssen lernen, sich zu wehren."

Meier (Duisburg): "Manchmal muss man auch mit einem Zähler zufrieden sein", sagte der ehemalige Weltklasse-Linksaußen. Außerdem sagte er: "Es war kein Spiel für Feinschmecker. Die Erfurter Mannschaft stand tief gestaffelt und ließ uns nur wenige Möglichkeiten zu."




 

Angemerkt

Manch einer wird sich geärgert haben.
Denn ein schöner Herbstspaziergang, eine fetzige Halloween-Party oder ein spannender Kinofilm wären lohnenswerte Alternativen zum gestrigen Spiel im Steigerwaldstadion gewesen.
Dass die 90 Minuten kein Vergnügen waren, lag sicher zu einem Großteil am bescheidenen Auftritt der aufstiegs-ambitionierten Duisburger. Aber eben auch an der glanzlosen Vorstellung der mutlosen Erfurter. Nach der Wiederauferstehung gegen Aachen konnte mit dem Publikum im Rücken und dem zweiten Heimsieg vor Augen auch von einem Neuling mehr Offensivkraft erwartet werden. Nur mit Abwehraktionen Glanz zu verbreiten und im Gegenzug auf Standards und Wunder hoffen, das wird auf Dauer wohl nicht ausreichen.
Denn der Deckung, die inzwischen zu erstaunlicher Stabilität zurückgefunden hat, werden hier und da auch wieder Fehler passieren. Zwar ist es gut zu wissen, dass auf die "hinten" Verlass ist. Doch noch besser wäre es, davon ausgehen zu können, dass die "vorn" immer für ein Tor gut sind.
Dem ist jedoch nicht so. Weil nach bisherigem Stand die Offensiv-Qualitäten der Mannschaft unzureichend sind. Nur 5 Treffer in 11 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Angesichts dieses traurigen Fakts ist es dann schon verwunderlich, wenn Ronny Hebestreit überhaupt keine Berücksichtigung im Kader findet. Zwar hat er gegen 1860 einige Gelegenheiten vergeben. Doch das ist jetzt auch schon einige Wochen her. Und damals, Mitte September, hatten die Rot-Weißen wenigstens noch mehrere Chancen im Spiel.
31.10.2004 Von Gerald MÜLLER




 

Statistik

FC Rot-Weiß Erfurt: Twardzik - Fall, Traub, Richter, Bürger - Zedi, Barletta - Schnetzler (75. Hartwig), Glöden, Kreuz (84. Klingmann) - Braham (60. Pedrozo)

MSV Duisburg: Koch - Wolters, Drsek, Baelum, Bugera -Wehlage (60. El Kasmi), Grlic, Voss, van Houdt (87. Spizak) - Ahanfouf (75. Jovanovic), Kurth

Zuschauer: 12.146

Schiedsrichter: Dr. Jochen Drees

Gelbe Karten: Hartwig - Ivanovic, El Kasmi, Wolters



10.RWE-Aachen
12.Cottbus-RWE