07. RWE-Fortuna

FC Rot-Weiß Erfurt - Fortuna Düsseldorf 2:2

So sind sie eben, diese Torjäger. Während des Spiels kaum zu sehen, stehen sie plötzlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Zwei dieser Spezies sorgten für eine spannende Endphase beim 2:2 zwischen dem FC Rot-Weiß und Düsseldorf.

"Das ist der berühmte Riecher", lachte Ronny Hebestreit und tippte auf seine Nase. Kurz vor dem Abpfiff hatte der Erfurter Kapitän dafür gesorgt, dass seine Mannschaft in dieser Saison zu Hause ungeschlagen bleibt. Nach Alexander Schnetzlers gefühlvoller Eingabe war er per Kopf zur Stelle und freute sich über den Punkt - "auch wenn wir mit einem Sieg gern an Jena vorbeigezogen wären".



Dem Sieg waren die Düsseldorfer in der Schlussphase allerdings näher. Vier Minuten vor dem Ende nutzte Feinbier ein Missverständnis zwischen dem sich verschätzenden Michael Ratajczak und Matthias Holst und bugsierte einen Canale-Freistoß ins Netz. "Wir kennen uns aus gemeinsamen Ahlener Zeiten. Ich wusste, wo der Ball hinkommt und habe einfach spekuliert", beschrieb der Routinier die Szene, die für die urplötzliche Stille im Steigerwaldstadion verantwortlich zeichnete. Zuvor war dem Fortuna-Neuzugang kaum etwas gelungen, gegen die aufmerksamen Tom Bertram und Holst sah er keinen Stich. "Aber das macht solche Stürmer so gefährlich. Man sieht sie kaum, und dann sind sie da", erkannte auch Rot-Weiß-Trainer Pavel Dochev an. Deshalb wertete er das späte Unentschieden auch als "Punktgewinn".



Dabei lief alles auf den vierten Erfolg im vierten Heimspiel hinaus. Schon nach drei Minuten hatte Ilia Gruev seinen alten Kumpel im Düsseldorfer Tor ausgeguckt und Nulle per 20-m-Freistoßschlenzer überwunden. Anstatt die Partie fortan zu kontrollieren überließen die Erfurter jedoch dem Gegner Ball und Raum. Und die Fortunen beeindruckten mit Zweikampfstärke (Böcker, Heeren) sowie deutlichen Vorteilen in der Luft. So wurde es stets dann gefährlich, wenn Ecken oder Freistöße in den Rot-Weiß-Strafraum segelten. Bei Böckers Versuch fehlten noch einige Zentimeter (21.), Barth zielte wenig später genauer und versenkte einen wuchtigen Kopfball. Hebestreit hatte dem Torschützen zu viel Platz gelassen. Dessen Freude über den verdienten Ausgleich währte aber nur kurz. Nach seinem zweiten Foul am nur anfangs auffälligen Björn Brunnemann sah er folgerichtig die Gelb-Rote Karte (32.).Der Feldverweis sorgte für neue Verhältnisse auf dem Rasen. Düsseldorf zog sich weit in die eigene Hälfte zurück, verengte die Räume und ging kompromisslos zu Werke. Die Rot-Weißen waren zwar permanent im Vorwärtsgang und suchten die Lücken, nutzten die einstündige numerische Überzahl allerdings zu selten. "Über die Außen ging viel zu wenig", kritisierte Dochev später Brunnemann und Henry Onwuzuruike, die hin und wieder gute Ansätze zeigten, aber sich zu viele leichtfertige Ballverluste erlaubten."Uns fehlte die nötige Geduld, um so ein Bollwerk zu knacken", sagte Gruev. Sein Trainer ärgerte sich über "unnötige 1:1-Situationen, in die wir uns verstrickt haben".



Es wäre besser gewesen, den Ball laufen zu lassen, "bis der Gegner zusammenbricht". Doch gerade diese Spielsicherheit vermisste man bei den Erfurtern. So kam es nur selten zu Kombinationen über mehrere Stationen. Gefährlich wurde es lediglich, wenn Holst mit langen Pässen Onwuzuruike und Pavel David suchte. Beide konnten sich in der von zahlreichen Unterbrechungen geprägten Partie aber nicht wie gewohnt durchsetzen. Und so mangelte es dem Offensivspiel an Ideen und Gefährlichkeit im Abschluss. Gelegenheiten zum 2:1 gab es trotzdem: Onwuzuruike (48.), Hebestreit (55.) und David (61.) ließen diese jedoch ungenutzt.Als sich alles auf eine Punkteteilung einpegelte, trat dann ein Mann in Erscheinung, dem zuvor gar nichts gelungen war. "So ist das manchmal. Da reicht eine Chance", schmunzelte Feinbier nach seinem Kopfball-Tor, das praktisch aus dem Nichts fiel. Dass es nicht der Siegtreffer war, ärgerte ihn genauso wie Trainer Uwe Weidemann: "Wenn man so nah am Ziel ist, will man auch gewinnen. Dass wir es, wie bereits in Hamburg, nicht verstanden haben, den Sieg nach Hause zu bringen, ist enttäuschend", meinte der einstige Erfurter Mittelfeldspieler zum erneuten Gegentreffer in der Schlussminute.Aber Rot-Weiß hat eben auch einen Torjäger, der dann auftaucht, wenn schon niemand mehr mit ihm rechnet..



Trainerstimmen

Pavel Dotchev (FC Rot-Weiß Erfurt): "Wir haben gut angefangen und sind durch ein schönes Tor in Führung gegangen. Leider haben wir es versäumt nachzulegen. In Überzahl agierten wir nicht effektiv genug. Besonders über die Außen passierte viel zu wenig. Bei Standards müssen wir in der Abwehr besser stehen. Daran müssen wir arbeiten."

Uwe Weidemann (Düsseldorf): "Wir wollten in Erfurt gewinnen. Der Beginn war dann natürlich sehr ungünstig. Nach dem Gegentor haben wir bis zur gelb-roten Karte sehr gut nach vorn gespielt. Mit der Herunterstellung kippte Spiel. Wenn man aber vier Minuten vor dem Ende 2:1 führt, muss man den Sieg nach Hause bringen."



Statistik

FC Rot-Weiß Erfurt: Ratajczak - Schnetzler, Bertram, Holst, Kühne - Brunnemann (76. Weis), Pätz, Gruev (69. Kacani), Onwuzuruike - Hebestreit, David

Fortuna Düsseldorf: Nulle - Barth, Scharpenberg, Cakir - Cebe (77. Canale), Wolf (40. Kruse), Heeren (66. Pusic), Böcker, Potzus - Marzok, Feinbier

Tore: 1:0 Gruev (3.), 1:1 Barth (28.), 1:2 Feinbier (86.), 2:2 Hebstreit (90.)

Zuschauer:
4.978

Schiedsrichter: Hagen



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